Weltnaturkonferenz: WWF warnt vor Scheitern zentraler Verhandlungen

27. Oktober 2026

Anlässlich des Beginns des hochrangigen Ministersegments bei der UN-Weltnaturkonferenz in Jerewan warnt die Umweltschutzorganisation WWF vor einem Scheitern wichtiger Verhandlungen. Besonders bei der Finanzierung des globalen Naturschutzes gebe es bislang kaum Fortschritte. Auch bei der Reform umweltschädlicher Subventionen und der Bekämpfung der Ursachen des Artensterbens seien zentrale Fragen offen. „Die Ministerinnen und Minister müssen jetzt die Blockaden lösen und Fortschritte ermöglichen. Bisher treten die Verhandlungen auf der Stelle und werden der Dringlichkeit der Biodiversitätskrise nicht gerecht“, sagt WWF-Experte Georg Scattolin.

Galoppierende Herde Przewalski-Pferde (Mongolei).

Im Zentrum der Verhandlungen steht die Frage, wie die Staaten ihre Finanzierungszusagen aus dem Abkommen von 2022 erfüllen wollen. Bisher zeichnet sich aber laut WWF noch kein belastbarer Weg zur Bereitstellung der vereinbarten Mittel ab. Auch die Gespräche über die Beiträge von Unternehmen zum internationalen Cali-Fonds laufen schleppend. „Die Staaten haben große Versprechen abgegeben, aber bei der Umsetzung fehlt es an Geld und politischem Willen. Zugleich fließen immer noch Milliarden in umweltschädliche Subventionen“, kritisiert Scattolin. Auch bei der Verbindung von Klima- und Naturschutz droht ein Rückschlag: Eine geplante internationale Roadmap könnte auf die nächste Weltnaturkonferenz verschoben werden.

Bis zum geplanten Ende der Konferenz am 30. Oktober 2026 fordert der WWF insbesondere glaubwürdige Finanzierungszusagen, einen wirksamen Kontrollmechanismus und verbindliche Schritte zum Abbau naturzerstörender Subventionen. „Auch Österreich und die EU sind gefordert, sich für ambitionierte Beschlüsse einzusetzen. Bisher passiert viel zu wenig“, sagt Georg Scattolin vom WWF.

Natur unter Druck: Die Krise in Zahlen

Schrumpfende Tierbestände weltweit, bedrohte Arten und geschädigte Lebensräume vor der Haustür: Die folgenden Zahlen zeigen, wie groß der Handlungsbedarf ist.  

  • 73 Prozent Rückgang weltweit: Laut dem WWF Living Planet Report sind die untersuchten Wirbeltierpopulationen seit 1970 im Durchschnitt um 73 Prozent geschrumpft.  
  • Süßwasser besonders betroffen: In Flüssen, Seen und anderen Süßwasserlebensräumen gingen die erfassten Tierbestände im selben Zeitraum durchschnittlich um 85 Prozent zurück. An Land betrug das Minus 69 Prozent, in den Meeren 59 Prozent.  
  • 33-mal mehr Geld für Naturzerstörung: Laut einer im WWF Living Planet Report angeführten Auswertung fließt weltweit rund 33-mal so viel Geld in naturschädigende Aktivitäten wie in den Schutz und die Wiederherstellung der Natur.
  • Österreichs Arten und Lebensräume unter Druck: Laut dem FFH-Bericht Österreichs an die EU-Kommission weisen rund 81 Prozent der darin bewerteten Arten und 77 Prozent der geschützten Lebensraumtypen keinen günstigen Erhaltungszustand auf.  

Links

Living Planet Report 2026: Wildtierbestände im Rückgang | WWF

Kontakt

WWF Österreich
Alexa Lutteri, MA, BSc.
Telefon: +43 676 834 88 240
E-Mail: alexa.lutteri@wwf.at

Quelle

Pressemitteilung WWF,  27.10.2026