Wie Blüten Insekten sichtbar machen
Ein Forschungsteam der Universität Innsbruck untersucht Blühstreifen auf landwirtschaftlichen Flächen in ganz Österreich. DNA-Spuren auf Blüten liefern dabei Hinweise darauf, welche Insekten bestimmte Pflanzen nutzen. Die Ergebnisse sollen künftig in verbesserte, standortangepasste Saatgutmischungen einfließen.

Bunte Blühstreifen am Rand von Äckern, Wiesen oder in Obstanlagen bieten Insekten Nahrung und Lebensraum. Sie können Bestäuber fördern und Nützlinge anlocken, die Schädlinge regulieren. Das Projekt „FlowerPower“ der Universität Innsbruck untersucht nun genauer, wie sich die Pflanzenzusammensetzung solcher Flächen auf die Insektenvielfalt auswirkt.
Die Forscherinnen und Forscher verwenden dabei eine neue Methode, mit der sich Insekten über winzige DNA-Rückstände auf Blüten nachweisen lassen. Sie wollen damit herausfinden, welche Pflanzenarten für eine vielfältige Insektenwelt besonders wichtig sind.
Blüten waschen und Insektenbesucher erkennen
Wenn Insekten auf einer Blüte landen, hinterlassen sie dort Spuren: Körperzellen, Kot oder Urin zum Beispiel. Diese Umwelt-DNA, kurz eDNA, bleibt auf den Pflanzen zurück. Die Forschenden pflücken einzelne Blüten und waschen sie getrennt nach Pflanzenarten. Dann wird die Insekten-DNA aus dem Wasser extrahiert, im Labor sequenziert und die Arten bestimmt, erklärt der Zoologe und Projektleiter Michael Traugott von der Universität Innsbruck.
Die Methode ermöglicht eine detaillierte Erhebung, ohne Insekten fangen und einzeln bestimmen zu müssen. Sie soll zeigen, welche Arten einen Blühstreifen besuchen und welche Pflanzen sie dabei bevorzugen.
Förderungen für Blühstreifen
Es ist schon lange bekannt, wie wertvoll Blühstreifen für Insekten sind, betont Traugott. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts seien für die Landwirtschaft besonders interessant. Das Österreichische Programm für umweltgerechte Landwirtschaft (ÖPUL) schreibt verpflichtende Biodiversitätsflächen bei gemähtem Grünland und Ackerflächen vor. Sieben Prozent muss dieser Anteil an sogenannten Blühstreifen betragen. EU und Bund fördern das Anlegen solcher Flächen. Mehr als 140.000 Hektar umfassten diese bewusst angelegten Biodiversitätsflächen in Österreich im Jahr 2023.
Bessere Saatgutmischungen entwickeln
„Was uns interessiert, ist, wie man diese Blühstreifen noch besser machen kann, dass man noch mehr Insekten über diese Blühstreifen fördert“, so der Zoologe. Für Landwirte sei es wichtig zu wissen, welche Insekten in den Blühstreifen unterwegs sind und welche Funktionen sie haben. Viele Insektenarten agieren als Bestäuber, andere wiederum halten Schädlinge in Schach. Manche Insekten sind vielleicht auch unerwünscht, weil sie in bestimmten Kulturen Probleme machen können, erläutert Traugott.
Die Ergebnisse des Projekts sollen bei der Weiterentwicklung von Saatgutmischungen helfen. Ziel sind Blühstreifen mit einer möglichst großen Vielfalt an heimischen und standortgerechten Pflanzen. Diese sollen unterschiedlichen Insektenarten über die Saison hinweg Nahrung und Lebensraum bieten.
50 Betriebe beteiligen sich österreichweit
Das Team der Universität Innsbruck beprobt nicht nur selbst Flächen, sondern bezieht auch landwirtschaftliche Betriebe ein. Insgesamt beteiligen sich 50 Bäuerinnen und Bauern aus ganz Österreich. Sie sammeln als Citizen Scientists auf ihren Biodiversitätsflächen Blütenproben und schicken diese zur Auswertung an das Labor nach Innsbruck. „Sie bekommen im Herbst die Ergebnisse und erfahren, was in ihrem Blühstreifen lebt und wie man diesen im Fall noch verbessern könnte“, sagt Projektleiter Traugott.
Die Beteiligung der Betriebe soll dazu beitragen, die wissenschaftlichen Ergebnisse rasch in die landwirtschaftliche Praxis zu übertragen. Projektpartner sind die HBLFA Raumberg-Gumpenstein, Bio Austria und der Verein Bodenleben.
Trockenheit setzt Blühpflanzen zu
Die Erhebungen sind stark von den Wetterbedingungen abhängig. Bei Regen, starkem Wind, zu hohen oder niedrigen Temperaturen sind viele Insekten weniger aktiv. Auch lange Trockenperioden können Blühstreifen beeinträchtigen, erklärt Lavinia König. Sie arbeitet als Masterstudentin an dem Projekt und fährt in diesem Sommer fünf Mal nach Salzburg, in die Steiermark, nach Nieder- und Oberösterreich, um Proben bei Blühstreifen zu sammeln.
„Wie alle Pflanzen brauchen auch die Blühstreifen genug Wasser, damit sie überleben“, so König. Die starke Trockenheit in diesem Sommer wirke sich natürlich auch aus. Bei den Beprobungen in Niederösterreich nahmen die Forschenden zuletzt tiefe Risse im Boden und eine spärliche Vegetation wahr. „Die Blüten vertrocknen dadurch schneller und dann finden die Bestäuber natürlich nichts mehr zu fressen.“