Dürre belastet Wälder massiv
Die Dürre der vergangenen Wochen hat Österreichs Wälder massiv belastet – besonders in Oberösterreich, Niederösterreich und der Südsteiermark. Der Biodiversitätsforscher Franz Essl warnt vor einer „veritablen Waldkrise“ und sieht auch Auswirkungen auf Klima, Artenvielfalt und Waldbesitzer.

Das Ausmaß der heurigen Dürre sei überraschend gewesen, „aber die grundsätzliche Entwicklung wurde lange vorhergesagt“, sagte Franz Essl von der Universität Wien am Dienstag im Ö1 Mittagsjournal.
In zahlreichen Regionen würden sich aktuell statt grüner Baumkronen „Baumgerippe“ mit vertrocknetem oder bereits abgefallenem Laub zeigen. Besonders betroffen seien Wälder auf Südhängen und flachgründigen Böden, die Wasser schlechter speichern können. In den Alpen sei die Situation etwas besser, aber selbst in den Voralpen gebe es bereits stark geschädigte Bestände.
Niederschläge könnten noch helfen
Essl sprach am Dienstag im Ö1 Mittagsjournal von einer „veritablen Waldkrise“ in ganz Mitteleuropa. Die Kombination aus „einer noch nie dagewesenen Hitze und Trockenheit über Monate“ bringe viele Baumarten an ihre Belastungsgrenze. „Es ist ganz klar, dass viele der besonders stark geschädigten Bestände auch zum Teil absterben werden“, sagte Essl. Im Herbst werde man „wirklich viele tote Bäume im Wald sehen“. Entscheidend sei nun, ob es in den kommenden Wochen ausreichend Niederschläge gebe. Diese könnten manchen geschädigten Bäumen noch helfen, sich zu erholen.
Folgen für Tiere und Waldbesitzer
Nach Angaben des Biodiversitätsforschers reichen die Folgen weit über die sichtbaren Schäden hinaus. Wälder seien Lebensräume, die über Jahrzehnte wachsen und zahlreichen Tierarten Schutz bieten. Viele Arten seien auf große, alte Bäume als Brutstätten und Lebensräume angewiesen. „Wenn diese Wälder geschädigt werden, hat das gravierende Auswirkungen auf ganz viele Lebensräume“, sagte Essl.
Auch wirtschaftliche Folgen erwartet der Forscher. Die massiven Waldschäden würden sich auf den Holzpreis und die Einkommenssituation vieler Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer auswirken.
Kein Kohlenstoffspeicher mehr
Zudem würden die Wälder ihre Funktion als Kohlenstoffspeicher zunehmend verlieren. Laut Essl hätten Österreichs Wälder bis vor etwa zehn bis 15 Jahren große Mengen CO2 aus der Atmosphäre aufgenommen und im Holz gespeichert. In den vergangenen Jahren habe sich diese Entwicklung jedoch umgekehrt.
„Mittlerweile wird durch viele absterbende Bäume mehr Kohlenstoff aus dem Wald in die Atmosphäre freigesetzt, als die Bäume aufnehmen“, sagte Essl. Das trage inzwischen „an die zehn Prozent zur nationalen CO2-Bilanz bei“.
Forderung nach stärkerem Klimaschutz
Essl sieht die aktuellen Schäden als Folgen der Klimaerwärmung. Solche Dürrephänomene könnten künftig häufiger auftreten. Der Forscher forderte daher eine „viel engagiertere Klimaschutzpolitik“ sowie verstärkte Maßnahmen zur Renaturierung. Das betreffe nicht nur die Wälder, sondern auch die Landwirtschaft und den Umgang mit Wasser.
Als notwendige Maßnahmen nannte Essl den verstärkten Einsatz trockenheitsangepasster Baumarten und mehr Mischwälder. Teilweise werde das bereits umgesetzt. Einige Waldbesitzer setzten etwa auf Eichen statt Fichten oder pflanzten mehrere Baumarten gemeinsam. „Das ist eine richtige und sehr sinnvolle Entscheidung“, sagte Essl. Diese Maßnahmen müssten jedoch deutlich ausgeweitet werden.
“Klimapolitik ist kein Luxus“
Der Forscher verwies zudem auf Forderungen des österreichischen Biodiversitätsrats, in dessen Leitungsteam er sitzt, nach einer sogenannten Biodiversitätsmilliarde. Diese Mittel könnten genutzt werden, um Wälder widerstandsfähiger zu machen, Gewässer zu renaturieren und Wasser besser in der Landschaft zu halten. Laut Essl handle es sich dabei um „sehr gut investiertes Geld“, weil dadurch zukünftige Schäden reduziert werden könnten.
Die Finanzierung solcher Maßnahmen sei eine gesellschaftliche Aufgabe, sagte Essl. Die Schäden eines ungebremsten Klimawandels seien höher als die Kosten von Klimaschutz und Anpassungsmaßnahmen. „Klimapolitik ist kein Luxus, sondern eine Lebensnotwendigkeit“, so der Biodiversitätsforscher.
Quelle
Klimaerwärmung: Dürre belastet Wälder massiv - science.ORF.at