70 Prozent weniger Gelsen seit 2020

14. Juli 2026

In Österreich steht in diesem Sommer voraussichtlich keine große Gelsenplage bevor. Denn in den vergangenen Jahren ging der Bestand der Hausgelse stark zurück. Als Grund gilt der Klimawandel.

Die Gemeine Hausgelse ist die am weitesten verbreitete Gelsenart in Österreich, rund 90 Prozent aller in Monitorings gezählten Stechmücken sind Hausgelsen. Allerdings sind ihre Vorkommen seit 2020 stark dezimiert worden, wie Parasitologe Hans-Peter Führer von der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmed Uni) gegenüber ORF Wissen bestätigte.

Stechmücke, die auf einer Hand saugt.
Stechmücke (Gelse)

In den vergangenen sechs Jahren sei die Zahl der im Wiener Gelsenmonitoring gefangenen Gelsen um 70 Prozent zurückgegangen. Verlässliche Zahlen hat die Universität nur für die Teststandorte in Wien, Führer geht allerdings davon aus, dass der Trend bundesweit ähnlich ist.

Warm-kalt-Phasen zunehmend Problem

Schuld am Gelsensterben seien zunehmende Temperaturschwankungen im Winter. „Wenn wir teilweise im Februar 20 Grad haben und es nachher wieder kalt wird, ist es kalt, warm, kalt, warm – das vertragen die Hausgelsen nicht sonderlich gut.“ Durch die Temperaturschwankungen erwachen Hausgelsen zu früh aus der Winterruhe, das führe zu Stoffwechselproblemen, erklärte Führer. „Seit 2020 dürfte sich das Klima vor allem im Winter ein bisschen verändert haben, und das hat einen negativen Einfluss auf die Hausgelsenpopulation.“

Die vergangene Hitzeperiode und die darauffolgenden moderaten Regenfälle hätten auf die Gelsenpopulation keine Auswirkung gehabt, sagte der Parasitologe. „Da müsste es sehr viel regnen und Überschwemmungen geben, dann hätten wir Überschwemmungsgelsen.“ Damit das eintritt, bräuchte es aber mindestens mehrere Tage durchgehend Regen und danach mehrere Tage Sonnenschein. Die Kombination ist derzeit nicht in Sicht, eine Gelsenplage wie früher sei für den heurigen Sommer entsprechend unwahrscheinlich, so Führer.

Tigermücke breitet sich weiter aus

Wenig Veränderung gibt es laut Führer heuer bei der Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke. Die invasive Tropenart hat sich in den vergangenen Jahren vor allem in den großen Ballungszentren Graz, Wien und Linz etabliert. „Die Anzahl der Tigermücken wird sicher noch steigen“, sagte Führer. Noch aber spiele die Tigermücke verglichen mit der Hausgelse in den meisten Regionen eine geringe Rolle.

Betroffene erkennen die Tigermücke an ihren namensgebenden weißen Streifen und ihrer Tagaktivität. Während die Hausgelse in der Dämmerung auf Nahrungssuche geht, stechen Tigermücken auch untertags. Zuletzt hatte die Stadt Graz einen Pilotversuch zur Bekämpfung der Tigermücke mit Hilfe von unfruchtbaren Männchen weiter ausgerollt.

Quelle

Erderwärmung: 70 Prozent weniger Gelsen seit 2020 - science.ORF.at