Was nach einem Brand im Wald passiert
Mit der Klimaerwärmung werden Waldbrände in Österreich häufiger. Damit wächst auch der Bedarf an Präventionsstrategien. In Niederösterreich untersuchen Forschende auf der Fläche eines 2024 abgebrannten Waldes, wie sich die Natur erholt, und was man daraus lernen kann.

Für einen Laien ist es schwer einzuschätzen, wie lange der Brand her gewesen sein muss. Der Forstwissenschaftler Harald Vacik von der Universität für Bodenkultur (BOKU) Wien weiß es: knapp zwei Jahre. Anfang September 2024 zog südlich von Gänserndorf ein Feuer durch den Wald, das selbst hohe Eichenkronen in Brand steckte, ausgelöst durch einen technischen Defekt an einem landwirtschaftlichen Gerät.
Das Institut für Waldbau der BOKU errichtete direkt nach dem Feuer eine Monitoringfläche, um zu dokumentieren, wie schnell sich die Vegetation erholt, welche Bäume auch wirklich langfristig überleben und wie man sie dabei unterstützen kann. Heute, zwei Jahre nach dem Waldbrand, steht so manche Eiche als stolze Überlebende mit neuen Trieben und grünen Blättern neben dürren, verkohlten Artgenossinnen.
Waldbrände auf Rekordhoch
Ein feuerfester Wald, das klingt erst einmal nach Utopie. Vacik forscht aber genau an diesem Thema, er ist auch Mitbegründer der Waldbrand-Datenbank Österreich. Seit Jahresbeginn zählten er und sein Team bereits 356 Waldbrände in Österreich (Stand: 11.8.26). Setzt sich dieser Trend fort, werden es heuer doppelt so viele sein wie im gesamten vergangenen Jahr – 2025 wurden bundesweit knapp 200 Waldbrände gezählt. Auch der langjährige Schnitt zeigt: Seit Waldbrände auf diese Art dokumentiert wurden, gab es noch kein Jahr mit mehr Vorfällen als das laufende.
Gleichzeitig steigt hierzulande auch die Anzahl der Tage mit erhöhter Waldbrandgefahr. „Wenn die Luftfeuchtigkeit zurückgeht, der Wind auffrischt und es wenig Niederschlag, aber hohe Temperaturen gibt, dann haben wir ideale Bedingungen für Feuerwetter“, sagt der Waldbrandforscher. „Und wenn es dann einen Funken gibt, entwickelt sich das sehr rasch zu einem Vollbrand. Dann können wirklich intensive Brände entstehen.“
Vacik und sein Team errechneten, dass es mit voranschreitendem Klimawandel bis zum Jahr 2085 im Osten Österreichs an die 50 solcher Hochrisikotage geben wird. Aktuell sind es in diesem Teil des Landes etwa 15.
Gebüsch erzeugt Feuerleitern
Neben einer nahezu unbeschädigten Eiche steht bei Gänserndorf ein Exemplar derselben Baumart, das es sehr schwer erwischt hat. Die Krone dürfte 2024 vollständig gebrannt haben, ihre verkohlten Äste ragen schwarz und blattlos in den Himmel. Niedrigeres Gebüsch dürfte dafür gesorgt haben, dass an manchen Stellen „Feuerleitern“ erzeugt worden seien, sagt Vacik. „Das Feuer kann sich vom Boden über solche Feuerleitern in den Kronenraum entwickeln und damit viel mehr Schaden anrichten.“
Wie intensiv ein Waldbrand wird, hängt auch davon ab, wie viel Brennmaterial vorhanden ist. Ein niederländisches Forschungsteam konnte kürzlich in einer Studie zeigen, dass in Südeuropa die bloße Anzahl der Waldbrände in den vergangenen 50 Jahren sogar zurückgegangen ist. Zurückzuführen sei das nicht nur auf bessere Ausstattung und Trainings von Feuerwehrleuten, sondern vor allem auf fruchtende Aufklärungskampagnen innerhalb der Bevölkerung – Stichwort weggeworfene Zigarette im Wald.
Bloß: Wenn dann doch einmal ein Feuer außer Kontrolle gerät, dann ordentlich. Denn dann ist in den Wäldern, in den Gebüschen und an den Böschungen mehr Brennmaterial vorhanden. Die Forschenden sprechen von einem „Unterdrückungsparadoxon“.
Keine „Kultur des Feuers“ in Österreich
Eine Entwicklung, die in Österreich bisher jedenfalls nicht zu sehen ist, wie Vacik sagt. Er plädiert hierzulande weiterhin für mehr Aufklärungsarbeit. „Wir sind es in Österreich oder generell in Mitteleuropa nicht gewohnt, mit solchen Waldbrandsaisonen umzugehen. Wir haben keine ,Kultur des Feuers´, wenn man so sagen will, wie es in vielen mediterranen Ländern, in Australien oder in Amerika üblich ist“, sagt er. „Insofern müssen wir uns auf solche Bedingungen einstellen.“
Zu dieser „Kultur des Feuers“ gehört in vielen Ländern auch das absichtliche, kontrollierte Abbrennen von bestimmten Flächen. Im Ernstfall ist dann weniger Brennmaterial im Wald vorhanden, wodurch sich Feuer tendenziell weniger intensiv entwickeln. Auf diese Präventionsstrategie wird in Österreich bisher nur in Ausnahmefällen zurückgegriffen, etwa an Böschungen entlang von Bahntrassen.
Kontrollierte Brände ungesetzlich
„Solche Maßnahmen können wir aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen in Österreich derzeit nicht durchführen“, sagt der Forstwissenschaftler. Denn auch ein kontrollierter Brand erzeugt Abgase, gefährdet Tierarten und steht damit im Widerspruch zu Naturschutz- und Emissionsschutzgesetz.
Für den Wald muss ein Brand jedenfalls kein Todesurteil bedeuten, auch diese Erkenntnis lässt sich aus dem Wald hier in Gänserndorf ableiten. Am Fuße der verkohlten Eiche sprießen nämlich wieder jede Menge junge Triebe. Vacik ist begeistert und zückt die Handykamera: „Die treiben aus der Wurzel aus“, sagt er und drückt ab.
Quelle
Klimaerwärmung: Was nach einem Brand im Wald passiert - science.ORF.at