Bäume bekommen Sonnenbrand
Steigende Temperaturen bremsen das Wachstum von Bäumen nicht zwangsläufig. Entscheidend ist vielmehr, ob ausreichend Wasser verfügbar ist – wenn nicht, bekommen die Blätter laut einer Schweizer Studie einen starken Sonnenbrand.

Bis zu fünf Grad könnten laut Prognosen die weltweiten Temperaturen im Vergleich zur vorindustriellen Zeit steigen. Da sich die Waldbewirtschaftung an ein heißeres und trockeneres Klima anpassen muss, ist es für die Forschung wichtig zu verstehen, wie sich Hitze und Trockenheit auf Bäume auswirken. Eine am Dienstag veröffentlichte Studie der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) zeigt: Die Erwärmung an sich ist nicht das größte Problem für die Bäume.
Bäume in der Klimakammer
Für die Studie ließ ein Team um Alyssa Therese Kullberg auf einem Gelände in Birmensdorf, im Schweizer Kanton Zürich, fünf Jahre lang junge Buchen und Flaumeichen wachsen. Beide sind für die Wirtschaft und die Waldökosysteme Mitteleuropas von Bedeutung. Sie befanden sich in Klimakammern. Während einige Bäume Trockenheit ausgesetzt waren, mussten andere um fünf Grad erhöhte Temperaturen aushalten.
Das Forschungsteam stellte fest, dass sowohl Hitze als auch Trockenheit für die Bäume Stress bedeuten. Ähnlich wie Menschen „schwitzen“ auch Bäume. Über ihre Blattporen geben sie Wasser ab und können diese damit kühlen. Selbst wenn die Blattoberflächen 40 bis 45 Grad heiß wurden, funktionierte dieser Kühlmechanismus. „Es kann zwar zu leichtem Sonnenbrand an den Blättern mit geringfügigen Schäden kommen, doch diese sind in der Regel nur vorübergehend“, sagt Kullberg in einer WSL-Aussendung.
Stark geschädigt wurden die Blätter jedoch, wenn das Wasser im Boden knapp war. Dann schloss der Baum die Blattporen, um Wasser zu sparen. Die Blätter dehydrierten und überhitzten. Auf den Blättern der Buche zeigt sich dies anhand brauner Flecken.
Eichen halten Trockenheit besser aus
Besser vertrug die Eiche diese Bedingungen. Auf ihren Blättern konnten die Forscherinnen und Forscher kaum Versengungen feststellen. Dies, obwohl sie den gleichen Bedingungen ausgesetzt war.
Für die Fachleute war dies eine Überraschung. Diese Erkenntnis lasse sich nicht vollständig durch die Mechanismen erklären, die in der Studie gemessen wurden, berichtete Kullberg.
Dass es zu dauerhaften Schäden in Form von Versengungen kommt, wenn die Blätter der Bäume ihre thermische Sicherheitsgrenze überschreiten, wird mit der Studie erstmals experimentell belegt.
Der Versuch wird noch zwei weitere Jahre fortgeführt. Die Forscher und Forscherinnen hoffen damit zu erfahren, ob die Bäume widerstandsfähiger werden und sich an schwierige Bedingungen anpassen können.