Tägliches Gießen „verhätschelt“ Pflanzen
Viele Gartenpflanzen müssen auch während Hitzewellen nicht täglich gegossen werden, rät der Österreichische Biodiversitätsrat. Denn die tägliche Wasserzufuhr verwöhne die Pflanzen und verhindere, dass sie selbstständig auf Wassersuche gehen.

Selbst während Hitzeperioden sei eine tägliche Wasserzufuhr für die meisten Gartenpflanzen gar nicht notwendig, sagte die Ökologin Margerita Hartlieb vom Österreichischen Biodiversitätsrat. Erhält eine Pflanze täglich Wasser, wurzele sie nur oberflächlich. „Wenn eine Pflanze nicht jeden Tag gegossen wird, ist es im besten Fall so, dass sie sich selbst mit den Wurzeln in tiefere Schichten auf die Suche nach Wasser begibt“, erklärte Hartlieb gegenüber ORF Wissen.
Durch gezielten Wasserentzug könne man nicht nur Wasser sparen, sondern auch die Trockenresistenz vieler Gartenpflanzen auf natürliche Weise stärken. Das funktioniert allerdings nur für Tiefwurzler, schwer haben es natürlicherweise Flachwurzler, die allerdings ohnehin als erste unter Trockenheit leiden.
Rasen so vielfältig wie Wüste
Hartlieb rät, den Garten seltener, dafür aber mit mehr Wasser pro Gießeinheit zu wässern. Die höhere Wassermenge könne dann bis in tiefere Schichten versickern. „Das oberflächliche Gießen bringt nichts, weil das Wasser an der Oberfläche sehr schnell verdunstet und dann wieder verschwindet“, sagte die Ökologin.
Bei der Gartengestaltung rät Hartlieb, möglichst auf heimische Pflanzen zu setzen und vermeintliches Unkraut stehenzulassen. Verzichten sollte man aus ökologischer Perspektive möglichst auf einen Rasen. „Rasenflächen kann man aus Biodiversitätssicht auch mit Wüsten vergleichen, da hier kaum Arten zu finden sind“, so Hartlieb.
Extremer Wasserverbrauch beim Rasensprengen
Zudem besteht Rasen aus flachwurzelnden Gräserarten, die besonders unter Dürre leiden. Um Rasenflächen durch eine Hitzeperiode zu bringen, brauchte man zehn bis zwölf Liter Wasser pro Quadratmeter, „was bei einer großen Fläche eine Unmenge an Wasser ist, die hier verbraucht wird zum Gießen“. In manchen Gemeinden ist das Rasensprengen mittlerweile deshalb ortspolizeilich untersagt.
Wassersparender und ökologisch vielfältiger sei es, natürliche Wiesen anzulegen, rät die Ökologin. Darin finden sich zahlreiche tiefwurzelnde Pflanzenarten, womit sich die Wiese besser selbst mit Wasser versorgen könne. Gleichzeitig schaffe die Wiese einen Lebensraum für zahlreiche Insekten und deren Fressfeinde. „Die Wiese bietet einen Lebensraum und einen Schutzraum, gerade während der Hitze“, sagte Hartlieb.
Link
Österreichischer Biodiversitätsrat - Biodiversitäts-Hub Österreich
Quelle
Wasser: Tägliches Gießen „verhätschelt“ Pflanzen - science.ORF.at