Vögel profitieren vom Trend zum Biowein
Weingärten werden in Österreich zunehmend ökologisch bewirtschaftet. Einst rar gewordene Vogelarten wie der Wiedehopf oder die Dohle finden hier nun wieder Insekten. Der Trend zum Biowein hat somit indirekt der Artenvielfalt einen Aufwind verschafft.

Die Österreichische Vogelwarte betreibt im niederösterreichischen Seebarn am Wagram (Bezirk Tulln) zwei Webcams. Eine filmt das Leben einer Wiedehopffamilie, eine andere das Leben einer Dohlenkolonie. Beide Vogelarten waren noch vor wenigen Jahren in der Region selten. Jetzt können interessierte Zuseherinnen und Zuseher online dabei zusehen, wie die Elterntiere brüten und die Küken mit Nahrung versorgen.
Dass sie davon am Wagram nun genug finden, hänge mit der zunehmenden Ökologisierung des Weinbaus zusammen, sagt der Leiter der dortigen Außenstelle der Österreichischen Vogelwarte, Richard Zink. Vor 20 Jahren hätte man nur einzelne Wiedehopf-Paare beobachten können, jetzt höre man ihren charakteristischen „Wup-Wup-Wup“-Ruf immer öfter.
Mehr Grün und weniger Pflanzenschutz
„Der Wiedehopf profitiert gerade in den Weingärten sehr davon, dass zum einen Insektizide kaum noch eingesetzt werden und zum anderen die Winzer und Winzerinnen in den Weingärten den Boden ganz gezielt begrünen“, erklärt Zink gegenüber ORF Wissen. Das erhöhe die Artenvielfalt der Insekten und damit das Nahrungsangebot für den Wiedehopf.
Indirekt hat demnach der Trend zum Biowein die Artenvielfalt im Weingarten deutlich erhöht. Davon profitieren nicht nur der Wiedehopf, sondern auch andere Vogelarten, die einst selten waren, wie Steinkauz, Heidelerche, Bienenfresser und auch die Dohle, bestätigt Zink. „Während in den 1970er und -80er Jahren die jungen Dohlen während der Aufzucht meist durch vergiftete Insekten ums Leben kamen, entwickeln sich die Bestände zuletzt sehr positiv.“
Gerade im Frühling brauchen die meisten Vogelarten stark proteinreiche Nahrung, sie brauchen also viele Insekten und erwischen auch Schädlinge wie Engerlinge. „So gesehen hält der Wiedehopf ein bisschen das Gleichgewicht der Natur intakt“, sagt Zink. Die Wissenschaftler beobachten über die Webcams in den Nistkästen, welche Insekten die Vögel heranschaffen, um einen Überblick über die Vielfalt im Weingarten zu erhalten.
Gefährdete Arten im konventionellen Ackerbau
Grundsätzlich gehe es in Österreich vor allem jenen Vogelarten gut, deren Lebensräume kaum von der industriellen Landwirtschaft betroffen sind. Darunter fallen insbesondere Vogelarten, die im Wald oder Gebirge leben. „Im landwirtschaftlich geprägten Offenland hingegen leiden Vögel unter Lebensraumverlust“, sagt Zink.
Neben chemischen Spritz- und Düngemitteln erfolge die größte Gefährdung durch schwere Maschinen, die die Nester von Bodenbrütern zerstören. Bei Arten wie Feldlerche, Grauammer und Rebhuhn gebe es zuletzt massive Rückgänge, warnt Zink, „sodass man sich wirklich Sorgen machen muss.“
Er empfiehlt Flächen weniger stark landwirtschaftlich zu nutzen und mehr Flächen zu beweiden – auch im Tiefland. Weidetiere wie Schafe, Kühe, Pferde und Ziegen würden die Insektenvielfalt automatisch erhöhen.
Links
Vetmeduni: Außenstelle Seebarn
Quelle
Artenvielfalt: Vögel profitieren vom Trend zum Biowein - science.ORF.at