Weniger Wasser in den Alpen: Anpassungen notwendig
Wasser wird in Zukunft in Österreich ungleichmäßig zur Verfügung stehen, wie das Umweltministerium am Mittwoch in einer Aussendung berichtet. Um regionalen Engpässen entgegenzuwirken, seien deshalb Anpassungsmaßnahmen notwendig, etwa eine bessere Steuerung von Stauseen.

Schneemenge wird weiter abnehmen
Schnee und Eis gehen in Österreich seit Jahrzehnten zurück. Mit den Auswirkungen auf den Wasserhaushalt beschäftigt sich das Forschungsprojekt „Wasser im Klimawandel“. Dabei arbeiten Forschungsteams der TU Wien, der GeoSphere Austria, der Universität Graz und der BOKU Wien zusammen.
Zwischen 1960 und 2020 hat die Schneedeckendauer demnach in tiefen Lagen bereits um rund 60 Prozent abgenommen, die mittlere Schneehöhe um etwa 70 Prozent. Ein Schneemodell, das im Rahmen der Studie entwickelt wurde, geht in niederen Lagen (0-500 Meter) von einer weiteren Reduktion der mittleren Schneehöhe um etwa die Hälfte im Vergleich zu heute bis zur Jahrhundertmitte aus.
Für mittlere Lagen zwischen 500 und 1.000 Metern verringert sie sich um rund 35 Prozent – beides jeweils unter der Annahme von einem Temperaturanstieg von einem Grad bis 2050.
Nullgradgrenze verschiebt sich nach oben
„Der Schneerückgang wirkt sich direkt auf den Wasserhaushalt aus: Setzt die Schneeschmelze früher ein, verändert das den saisonalen Rhythmus“, sagt der Klimaforscher Wolfgang Schöner von der Universität Graz. „Abflussmaxima rücken zeitlich nach vorne; im Sommer steht tendenziell weniger Wasser zur Verfügung.“
Besonders empfindlich sei die Höhenlage um die Nullgradgrenze, wo sich entscheide, ob Niederschlag als Schnee oder Regen fällt. Diese Grenze verschiebe sich seit den 1980ern alle zehn Jahre 120 bis 140 Meter nach oben.
Anpassungsmaßnahmen notwendig
Einen negativen Beitrag leistet hier auch das rasante Abschmelzen der heimischen Gletscher. Sie haben eine wichtige Speicherfunktion, halten Wasser zurück und geben es in wärmeren und trockeneren Zeiten ab. „Dieser Beitrag nimmt deutlich ab, was insbesondere in hochalpinen Einzugsgebieten Auswirkungen haben wird“, so Schöner.
Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) betont deshalb den Handlungsbedarf: „Wir setzen seit vielen Jahren gezielt Maßnahmen, um jeden österreichischen Haushalt auch künftig mit ausreichend Trinkwasser versorgen zu können.“ Da natürliche Speicher wie Schnee und Eis an Bedeutung verlieren, brauche es Anpassungsmaßnahmen, um regionale Engpässe abzufedern: etwa durch eine stärkere Vernetzung der Versorgungssysteme; durch eine angepasste Steuerung von Stauseen, um Wasser bestmöglich zu nutzen; und durch die Identifikation alternativer Wasserquellen für Infrastruktur im Hochgebirge, die bisher auf Gletscherwasser angewiesen ist.
Quelle
Klimaerwärmung: Weniger Wasser in den Alpen: Anpassungen notwendig - science.ORF.at