Zecken und Gelsen breiten sich auf Almen aus
Durch den Klimawandel breiten sich Zecken und Gelsen zunehmend auch auf höher gelegenen Almen aus. Damit erreichen auch neue Krankheitserreger diese Ökoysteme. Als gefährdet gelten Murmeltiere, die bis dato nicht in Kontakt mit diesen Erregern waren.

Murmeltiere ziehen nicht gerne um: Anders als Gämsen, Steinböcke, Rotwild oder Füchse bleiben Murmeltiere meist oberhalb der Baumgrenze und wandern nie ins Tal. Durch ihren Lebensraum im alpinen Gelände waren Murmeltiere deshalb bis dato nie in Kontakt mit Zecken und Gelsen, erklärt der Parasitologe Hans-Peter Führer von der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Denn die Insekten kamen bisher nur in Tallagen vor.
„Das bedeutet, dass diese Tiere noch nicht mit bestimmten Krankheitserregern in Kontakt gekommen sind“, sagt Führer. Denn Gelsen und vor allem Zecken können Erreger übertragen. Durch den Temperaturanstieg in Folge des Klimawandels erobern sich Zecken und Gelsen aktuell neue Lebensräume und kommen nun auch in alpinen Lagen in bis zu 2.000 Metern Höhe vor, wie Führer mit seinem Team nun erstmals zeigen konnte.
Kommen Murmeltiere nun mit von Gelsen und Zecken übertragenen Krankheitserregern in Kontakt, so könnten sie darauf empfindlich reagieren, meint Führer: „Wir befürchten, dass sie besonders darunter leiden könnten.“
Erste Bestandsaufnahme
Seit Juli ist ein gemeinsames Forschungsteam von Veterinärmedizinischer Uni Wien, Uni Innsbruck und AGES auf Tiroler Almen im Alpbachtal und Achental unterwegs, um erstmals umfassend den Zecken- und Gelsenbestand im alpinen Gelände zu erheben.
„Bis dato weiß man recht wenig über Stechmücken und Zecken in den Bergen“, sagt Führer, „die meisten Berichte sind eigentlich nur mündliche Überlieferungen.“ Das will das Forschungsteam durch seine Dokumentationsarbeit ändern. Künftig sollen Veränderungen in den alpinen Ökosystemen so schneller erkannt werden.
Borreliose-Erreger auf Almen
Zu den mittlerweile auf 2.000 Metern Höhe nachgewiesenen Krankheitserregern zählen unter anderem von Zecken übertragene Borrelien, die beim Menschen Borreliose auslösen können. Wanderern und Bergsteigerinnen rät Führer lange Kleidung und Insektenschutzmittel als Schutz vor Zeckenstichen zu verwenden.
Auch die Japanische Buschmücke wurde von dem Team auf den Almen entdeckt. Die invasive Stechmückenart, die vor zehn Jahren erstmals in Österreich aufgetreten ist, wurde bereits mehrfach auf bis zu 2.000 Metern Höhe nachgewiesen. Damit sei sie bereits häufiger in den Alpen anzutreffen als die heimische Hausgelse, sagt Führer.
Quelle
Risiko für Murmeltiere: Zecken und Gelsen breiten sich auf Almen aus - science.ORF.at