Erste Anzeichen von Herbst in Wäldern

29. Juli 2026

Der Eindruck in manchen Wäldern täuscht nicht, Bäume wie Buchen, Linden und Eschen zeigen bereits erste Herbstzeichen, erklärt auch Peter Mayer, Leiter des Bundesforschungszentrums für Wald. Die Ursache dafür ist die diesjährige Trockenheit. „Wir haben mehrere Messstationen im Wald, wo sich zeigt, dass die Grundwasserversorgung deutlich geringer ist als zu vergleichbaren Zeitpunkten in anderen Jahren.“

Foto Herbstblätter

Das Verfärben der Blätter ist das erste Anzeichen, dass Bäume die Photosynthese zurückfahren und in einer Art Selbstschutz-Modus sind. „Wenn wir Blätter wie im Herbst jetzt schon im Sommer sehen, dann ist das ein untrügliches Zeichen, dass der Baum seine Vitalität reduziert, um sich auf die Kernaufgaben zurückzuziehen und so dem Trockenstress und der Hitze entgegenzuwirken.“

Blätter zeigen Trockenstress

Zuerst werden die Blätter nicht mehr mit Nährstoffen und Wasser versorgt, dann kaum noch in das Wurzelwerk investiert und letztlich generell das Wachstum des Baumes beschränkt. „Bis hin zum vollständigen Zurückfahren des gesamten Nährstofftransports, was dann im Extremfall auch zum Absterben von Ästen und Wurzeln führen kann.“ Junge Bäume sind davon schneller betroffen.

In diesem Zustand sind Bäume anfälliger für Schädlinge wie den Borkenkäfer und Pilzerreger. Die Schäden können Waldökosysteme nicht nur akut beschäftigen, sondern mitunter jahrelang, erklärt Mayer. „Wir sehen das zum Beispiel auch bei Kiefern, wo eine Pilzkrankheit durch Trockenheit vermehrt auftritt und jetzt über Jahre große Flächen der Schwarzkiefer schwächt. Und hier gibt es tatsächlich den Zusammenhang mit der Klimaerwärmung und der zunehmenden Trockenheit.“

Klimaerwärmung macht Atmosphäre durstig

Dürre und Trockenheit werden durch die Klimaerwärmung verstärkt. Wärmere Luft nimmt mehr Feuchtigkeit auf und entzieht somit Böden und Pflanzen mehr Wasser. Wälder im Osten Österreichs sind besonders betroffen, da hier selbst in normal feuchten Jahren weniger Grundwasser zur Verfügung steht als im regenreicheren Westen.

Wie sehr die Trockenheit Wälder stresst, hängt aber nicht nur von ihrem Standort ab, sondern auch von den Baumarten. Während die Eiche bekanntlich gut mit Trockenheit zurechtkommt, ist die Fichte als Flachwurzler bei Wassermangel am gefährdetsten.

„Bunter“ Zukunftswald

Um die heimischen Wälder auch in einem heißeren und trockeneren Sommerklima zu erhalten, hat man in Österreich schon vor Jahren begonnen gegenzusteuern und die Zusammensetzung des Waldes verändert, so Mayer. Dominierten früher Fichten und andere Nadelbaumarten das österreichische Waldbild, gibt es mittlerweile mehr Laubbäume. Die Zukunft des Waldes sei jedenfalls noch "bunter“. „Das bedeutet, es ist ein vielfältiger Mischwald, der verschiedenste Baumarten kombiniert. Wir empfehlen eine Risikostreuung wie bei einem Aktienportfolio, damit wir in den nächsten 50 bis 100 Jahren noch einen aktiven und gesunden Wald haben.“

Auch bisher nicht heimische Baumarten könnten damit Bestandteil von Österreichs Wäldern werden – welche genau, ist Gegenstand aktueller Forschungen: „Wir sind dafür im Süden Europas unterwegs, wo schon jetzt Klimabedingungen herrschen, wie bei uns wahrscheinlich in 50 bis 100 Jahren. Allerdings gibt es keinen Wunderbaum, der alle Probleme löst.“

Quelle

Trockenstress: Erste Anzeichen von Herbst in Wäldern - science.ORF.at