280 Freiwillige retten Frösche, Kröten und Co.
Der verhältnismäßig kalte Winter hat Fröschen, Kröten und Salamandern laut Fachleuten gutgetan. Jetzt wandern Millionen Tiere zu ihren Laichgewässern, größtes Risiko ist der Verkehr auf den Straßen. 280 Freiwillige engagieren sich derzeit landesweit bei der Amphibienrettung.

Teils mehrere Kilometer legen Amphibien zwischen Ende Februar und April zurück, wenn sie von ihren Winterquartieren zu Teichen und Tümpeln strömen. Dort paaren sie sich und legen ihre Eier ab. Der vergangene Winter sei „besser als die Jahre davor“ gewesen, sagt die Biologin Anna Loupal vom Naturschutzbund Wien. Die gleichbleibenden, niedrigen Temperaturen seien gut für die Tiere gewesen. Wärmeeinbrüche, die den Stoffwechsel der Amphibien zu früh hochfahren, blieben weitgehend aus.
Heuer kämen die Amphibien „frisch aus der Winterstarre zurück“, sagt Loupal. Mehrere Millionen Frösche, Kröten, Salamander und Molche machen sich von Februar bis April auf zu ihren Laichgewässern. Jetzt müssen die Tiere nur noch lebendig am Gewässer ankommen. „Und das ist eben die Kunst“, meint Loupal.
Sie koordiniert im Auftrag der Stadt Wien die Amphibienrettung im Wienerwald. Denn Straßen sind im Frühjahr das Todesrisiko Nummer eins für die Tiere. Rund 280 Freiwillige engagieren sich als ehrenamtliche Amphibienretterinnen und -retter auf 200 Streckenabschnitten in ganz Österreich. 450.000 Tiere können laut Schätzung des Naturschutzbundes jährlich gerettet werden.
Leichen statt Laichen
Frösche, Kröten, Molche und Salamander beginnen die Wanderung bei Einbruch der Dunkelheit. Als Grundregel gilt: „Wenn Amsel und Co. noch singen, kommen die Amphibien noch nicht raus“, sagt Loupal.
An Straßen mit Amphibienschutzzäunen gehen die Freiwilligen in der Morgendämmerung den Zaun ab, sammeln die über die Nacht am Zaun gestrandeten Amphibien ein und tragen sie über die Straße. An Verkehrswegen ohne Amphibienschutzzaun gehen die Freiwilligen am Abend kurz nach Einbruch der Dämmerung die Straße ab. Ausgestattet mit Stirnlampe und Warnweste suchen sie nach Tieren, die dabei sind die Straße zu überqueren.
„Wir haben so Massakertage, da haben wir hier ein richtiges Leichenbestattungsszenario“, sagt Thomas Mayer beim Besuch von ORF Wissen bei der Amphibienrettung. Mayers Stammstrecke ist die Sofienalpenstraße an der Stadtgenze zwischen Wien und Niederösterreich. Seit zwölf Jahren rettet der 61-Jährige hier Amphibien.
„Wir haben eine wunderbare Tierwelt hier, die immer mehr bedroht und immer weniger wird“, sagt Mayer: „Wenn man hier wohnt und so wie ich jeden Tag durch den Wald geht und das sieht: Da kriegt man eine Leidenschaft für die Tiere und die Natur.“
Immer weniger Amphibien
Klimawandel und Verkehr bringen Amphibien in Österreich zusehends unter Druck. An Straßen in Wien, an denen man vor zehn Jahren 3.000 Tiere pro Saison gesammelt hätte, kämen heuer nur noch 300 vor, sagt Loupal. Hauptverantwortlich sei die zunehmende Trockenheit, die viele Laichgewässer austrocknen lässt. „Ohne Laichgewässer können sich die Tiere nicht fortpflanzen und wenn jetzt auch noch Jahr für Jahr hunderte Amphibien auf der Straße sterben, dann wird es die Population irgendwann nicht mehr schaffen.“
Wandern, retten und sammeln sei jetzt das einzige, was man konkret tun könne, meint die Biologin. Eine besondere Ausrüstung sei nicht notwendig, die Amphibien seien nicht giftig. Man könne sie einfach mit der bloßen Hand aufnehmen. Wichtig sei lediglich, dass die Hände frei von Sonnencreme-, Desinfektionsmittel- oder Handcremerückständen sind, denn das könnte der empfindlichen Haut der Amphibien schaden.
Freiwillige gesucht
In Richtung Autofahrerinnen und -fahrer appelliert der Naturschutzbund, auf Schutzstrecken in der Dämmerung und nachts besonders langsam und aufmerksam zu fahren. Die entsprechenden Streckenabschnitte sind mit einem grünen „Warndreieck mit Frosch“ gekennzeichnet.
Zwischen zwei und drei Stunden sind die Freiwilligen auf ihrer Rettungstour unterwegs. Pro Strecke wäre ein Team von etwa zehn Personen ideal, sagt Loupal. Nicht überall gelingt das derzeit. Interessentinnen und Interessenten würden überall mit offenen Armen empfangen, sagt sie.
Quelle
Amphibien: 280 Freiwillige retten Frösche, Kröten und Co. - science.ORF.at