Wildkatze: Forscher für besseren Lebensraum

28. Januar 2026

Biologen setzten im Nationalpark Thayatal ein Männchen und Weibchen aus, um die Bewegungsmuster der Tiere zu erkunden. Das soll helfen, für Wildkatzen im Zuge der EU-Renaturierungsmaßnahmen einen zusammenhängenden Lebensraum herzustellen.

Blick auf die Thaya.

„Voriges Jahr wurden drei Weibchen im Nationalpark-Gebiet nachgewiesen“, so der Biologe Julian Haider im Gespräch mit der Austria Presse Agentur: „Es war uns aber zu heikel, diese so seltenen, frei lebenden Wildkatzen einzufangen, um ihnen Halsbänder mit Sendern umzuhängen.“ Stattdessen fuhren die Forscher zu einer Tierauffangstation im französischen Juragebirge, um ein männliches und ein weibliches Exemplar abzuholen.

„Sie werden dort immer wieder abgegeben, wenn Leute im Wald vermeintliche Hauskatzenbabys entdecken, mitnehmen und meist bald erkennen, dass die Tiere für Hauskatzen eigentlich viel zu wild sind.“

Zuzügler wurden eingewöhnt und beobachtet

Die beiden Zuzügler kamen zunächst in ein kleines Gehege in einer Ruhezone des Nationalparks. Dort gewöhnten sie sich an die Umgebung, und die Forscherinnen und Forscher konnten darüber wachen, dass es ihnen gut geht. Dann bekamen sie zwei unterschiedliche Sender und wurden freigelassen. Das Wildkatzen-Männchen trägt seitdem einen Sender, der dreimal am Tag seinen Aufenthaltsort über das Handynetz kundtut.

Am Halsband des Weibchens hängt hingegen ein Modell mit Antenne, das alle fünf Minuten die jeweilige Position speichert. Allerdings kommen die Forscher nur an diese Daten heran, wenn sie in der Reichweite der Antenne sind. „Bei dem unzugänglichen Gelände im Nationalpark ist das alles andere als einfach.“

Es stellte sich heraus, dass das Weibchen eher lokal unterwegs ist und das Männchen einen deutlich größeren Aktionsradius hat. „Sein Hauptaufenthaltsort ist im Westen des Nationalparks an der Grenze zu Tschechien“, so der Biologe: „Dort hat das Männchen offensichtlich recht gute Ressourcen zum Leben gefunden.“ Zuvor hatte es die Gegend ringsum sondiert.

„Es hat ein paar Stellen gegeben, wo man gesehen hat, dass es gerne weitergezogen wäre“, erklärte Haider. Hier würde es bewaldete Korridore brauchen, die die größeren Wälder verbinden. Bestenfalls bis zur Wachau, wo ebenfalls bereits Wildkatzen gesichtet wurden.

Forscher testen Maßnahmen entlang des Eisernen Vorhangs

Die Arbeit mit den Wildkatzen ist ein Teil des Projekts „Restore to Connect“ (ReCo), das von der Europäischen Union gefördert wird, und in dem Forscherinnen und Forscher Restaurierungsmaßnahmen am „Grünen Band“ entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs testen, wie die APA berichtet.

„Das sind Flächen, die sich gleichsam aus Sicht der ökologischen Vernetzung, Erhalt der Artenvielfalt und nutzbarem Wiederherstellungspotenzial anbieten und wo gesetzte Maßnahmen einen großen, langfristigen Effekt haben“, erklärte Stefan Fuchs vom Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien, der an der Koordination des Projekts beteiligt ist.

Weitere Maßnahmen: Bemühen um Wanderkorridore

Zusätzlich zur besseren Lebensraumvernetzung für die Wildkatzen in den Nationalparks Thayatal und Podyjí in Österreich und Tschechien arbeitet man etwa in Polen im Ińsko-Seengebiet daran, Wanderkorridore für den Wisent – das Europäische Bison – zu finden. Dort warnen nun auch Schilder die Autofahrer, dass solche großen Tiere mitunter die Straße überqueren.

„In Slowenien werden wiederum Küstenlagunen nahe der Hafenstadt Koper als Lebensraum für Zugvögel und ikonische Narzissenwiesen auf den Almen der Karawanken renaturiert, sowie im italienischen Karst unweit des allseits bekannten Schlosses Miramare bei Triest Trockenrasen mit großen Weidetieren als Landschaftspfleger“, berichtete Fuchs.

„Im Fichtelgebirge an der gemeinsamen Grenze von Deutschland und Tschechien sind Bäche und Moore im Fokus der Restaurationsmaßnahmen, um den Wasserhaushalt zu verbessern und wertvolle Habitate zu schaffen und zu schützen. Darüber hinaus fungieren diese Feuchtlebensräume als wichtige Kohlenstoffspeicher und tragen so maßgeblich dazu bei, die Folgen der Klimaerhitzung zu bremsen.“

EU-weite Erkenntnisse präsentiert

Kürzlich fanden zwei Veranstaltungen statt, bei denen die Forscherinnen und Forscher die Projektergebnisse präsentierten. „Im November wurde ReCo im Europäischen Parlament in Brüssel vorgestellt, wo die Bedeutung grenzüberschreitender Renaturierungsprojekte und der ökologischen Wiederherstellung für die europäische Naturschutzpolitik deutlich unterstrichen wurde“, so Fuchs.

„Anfang Dezember bot die ReCo Scientific Online Conference mit über 100 Teilnehmenden aus Wissenschaft, Verwaltung, Naturschutz und Politik eine internationale Plattform für den fachlichen Austausch zu ökologischer Wiederherstellung, Biodiversität, Konnektivität und zur Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung.“

Quelle

Wildkatze: Forscher für besseren Lebensraum - noe.ORF.at