Neubearbeitung der Roten Liste und Checkliste der Farn- und Blütenpflanzen Nord- und Osttirols

12. Juli 2023

Die Liste umfasst 3.098 Arten, davon entfallen 2.817 auf Nordtirol und 2.278 auf Osttiro. Eine Vielzahl der  Roten-Liste-Arten ist nutzungsbedingt in den Tieflagen zu finden, aber auch in den Hochlagen der Alpen Tirols gibt es hochgradig gefährdete Arten.

Foto blaue Enzian Blüten

Vorwort der Autor:innen

Ein Vierteljahrhundert nach Erscheinen der ersten Tirol-spezifischen Roten Liste für Gefäßpflanzen (Neuner & Polatschek 1997), welche letztmalig 2013 geringfügig adaptiert wurde, liegt nun eine völlig neu konzipierte Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen Nord- und Osttirols vor. Anders als ihre Vorgängerin enthält die Neubearbeitung nicht nur die gefährdeten Pflanzen der Tiroler Flora, sondern ist ein Katalog aller in Tirol einheimischen, etablierten und unbeständig vorkommenden Arten und Unterarten. Die Auflistung und Einstufung der enthaltenen Arten und Unterarten erfolgt getrennt für die beiden Landesteile Nord- und Osttirol. Ein wesentlicher Unterschied zur älteren Liste liegt in der gewählten Methodik. Wie in modernen Roten Listen üblich, wird klar dargelegt, wie aktuelle Häufigkeit, Bestandesentwicklung seit dem 19. Jahrhundert und Abschätzung des künftigen Aussterberisikos in die Ermittlung der Gefährdungsstufen eingehen.

Die Abhaltung mehrtägiger Arbeitstreffen, die erweiterten Möglichkeiten digitaler Kommunikation und die vermehrte Bereitstellung digitaler Arbeitsunterlagen haben unser Werk zu einer Gemeinschaftsarbeit von in Tirol, aber auch in anderen österreichischen Bundesländern forschenden Feldbotaniker*innen gemacht. Die Bereitschaft zur Mitarbeit dokumentiert den Wunsch aller Beteiligten, zur Erhaltung der Farn- und Blütenpflanzen Tirols beizutragen.

Im Zusammenhang mit der globalen Klimakrise ist auch der weltweite Rückgang der Biodiversität wieder stärker in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses gerückt. Insbesondere auch deswegen, weil manche Klimaschutzmaßnahmen gegenläufig zu Maßnahmen des Biodiversitätsschutzes wirken können. Das allgemeine Interesse an Biodiversitätsfragen ist wohl auch deshalb so groß, weil die Menschen begreifen, dass es nicht alleine um den Erhalt von Tieren, Pilzen oder Pflanzen geht, sondern auch darum zu verstehen, wie die bisherige Praxis im Umgang mit Naturgütern auch uns Menschen gefährdet und wie wir unsere Lebensgrundlagen erhalten können, ohne dabei soziale Fortschritte mit Naturzerstörung zu bezahlen. Der gesetzliche Schutz der bedrohten Farn- und Blütenpflanzen Tirols ist nach aktualisierter Datenlage – wie unsere Zusammenstellung zeigt – unzureichend und sollte für die Zukunft dem jetzigen Kenntnisstand angepasst werden. So sind derzeit vier Fünftel der in Nordtirol gefährdeten Farn- und Blütenpflanzen nicht gesetzlich geschützt. Wir hoffen, dass die politischen Entscheidungsträger*innen das vorliegende Werk, das auf jahrelanger intensiver Arbeit ausgewiesener Expert*innen beruht, als Basis verwenden werden, um den Schutz der reichen Tiroler Flora – von den wenigen verbliebenen Resten artenreicher Kulturlandschaften in den Tallagen bis hinauf zu den Polsterpflanzenfluren der Gipfelregion – gesetzlich besser zu verankern und diesen Schutz auch sicherzustellen

Konrad Pagitz, Oliver Stöhr, Michael Thalinger, Ines Aster, Mario Baldauf, Cäcilia Lechner Pagitz, Harald Niklfeld (1940–2023), Luise Schratt-Ehrendorfer, Peter Schönswetter

Links

Die Neubearbeitung der Roten Liste und Checkliste der Farn- und Blütenpflanzen Nord- und Osttirols ist online und als Download verfügbar.

Rote Liste und Checkliste der Farn- und Blütenpflanzen Nord- und Osttirols – Universität Innsbruck (uibk.ac.at)