Die Motivation des Ökosystemaren Ansatzes

Die Zerstörung und Beeinträchtigung natürlicher Lebensräume durch den Menschen führt weltweit zu einem ständig zunehmenden Druck auf die biologische Vielfalt (Biodiversität). Der anthropogen bedingte Verlust von Tier- und Pflanzenarten findet derzeit in einer Geschwindigkeit statt, die erdgeschichtlich ohne Beispiel ist, und gilt als eines der vordringlichsten globalen Umweltprobleme der Gegenwart (CHAPIN et al. 2000). So sind aktuellen Schätzungen zufolge weltweit 22 bis 47 % aller Pflanzenarten vom Aussterben bedroht (PITMAN & JORGENSEN 2002).

Der Begriff der "Biodiversität", wie er vom "Übereinkommen über die biologische Vielfalt - Convention on Biological Diversity (1992)" definiert wird, ist jedoch nicht auf die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren beschränkt. Er umfasst auch die Vielfalt der genetischen Differenzierung der Organismen, von Populationen, Artengemeinschaften und Lebensräumen. Diese bilden zusammen mit den Strukturen von Lebensumwelten und den darin ablaufenden ökologischen Prozessen die Vielfalt der Ökosysteme.

Heute herrscht zunehmender Konsens, dass die biologische Vielfalt als Gesamtheit unseres Naturerbes eine der wertvollsten und schützenswertesten natürlichen Ressourcen darstellt, aber gleichzeitig auch zu den bedrohtesten Naturgütern zählt. Unter vielen Menschen setzt sich zunehmend die Auffassung durch, dass der Vielfalt der belebten Natur ein ethischer Eigenwert innewohnt, der sich ökonomischen Bewertungen entzieht. Aber auch jenseits ideeller Wertzuweisungen wird in steigendem Maße deutlich, dass mit dem Schutz und der nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt gleichzeitig die materielle Existenzgrundlage und immaterielle Lebensqualität des Menschen geschützt wird.

Letzte Änderung: 04.03.2008