Die Beschlüsse der Vertragsstaatenkonferenz des "Übereinkommens über die biologische Vielfalt" sehen vor, dass der Ökosystemare Ansatz in allen inhaltlichen Arbeitsprogrammen der Konvention umgesetzt werden soll. Dies beinhaltet unter anderem ausdrücklich die Anwendung auf das Management von Wäldern.
Das Umweltbundesamt hat in Zusammenarbeit mit dem Ínstitut für Waldbau der Universität für Bodenkultur sowie mit finanzieller Unterstützung des Lebensministeriums folgende Studie erarbeitet:
Heckl F., Lexer W., Vacik H., Wolfslehner B. & Hackl J. (2003):
GRUNDLAGEN FÜR DIE UMSETZUNG DES ÖKOSYSTEMAREN ANSATZES DES "ÜBEREINKOMMENS ÜBER DIE BIOLOGISCHE VIELFALT". ASPEKTE DES SCHUTZES UND DER NACHHALTIGEN NUTZUNG DER BIOLOGISCHEN VIELFALT AM BEISPIEL DES ÖSTERREICHISCHEN WALDES.
BE-153 Umweltbundesamt, Wien.
In Rahmen dieser Studie wurde zunächst die Bedeutung des Ökosystemaren Ansatzes für das Management der biologischen Vielfalt aus allgemeiner Sicht untersucht. Grundlagen für eine praktische Umsetzung des Ökosystemaren Ansatzes wurden aufbereitet und in der Folge am Beispiel österreichischer Waldökosysteme konkretisiert.
Basierend auf einer kritischen Zusammenschau des aktuellen Standes der fachlichen Diskussion und der wissenschaftlichen Literatur sowie unter Einbeziehung einer Expertenbefragung und von Fallstudien wurden vielfältige Aspekte des Schutzes und der nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt des österreichischen Waldes aus ganzheitlicher Sicht beleuchtet und grundlegende Anforderungen an ein integratives Ökosystem-Management ausgelotet. Da die Prinzipien des Ökosystemaren Ansatzes in allgemeingültiger Weise formuliert wurden, ist deren Konkretisierung für spezifische Ökosystemtypen und Anwendungsfälle notwendig.
Bisher existierende Konzepte, Strategien und Initiativen für das Management der biologischen Vielfalt sind vielfach durch sektorale Herangehensweisen beschränkt. Demgegenüber ist die neuartige Sichtweise des Ökosystemaren Ansatzes dadurch charakterisiert, dass sie das gesamte Wirkungsgefüge aller direkten und indirekten menschlichen Einflüsse auf die gesamte biologische Vielfalt mit all ihren Wechselwirkungen in den Mittelpunkt stellt. Dementsprechend wird die Verantwortung aller für deren Erhaltung einfordert.
Angewendet auf Waldökosysteme geht der Ökosystemare Ansatz aufgrund dieser umfassenden Perspektive inhaltlich über bestehende Konzepte einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung hinaus, ohne diese jedoch zu konkurrenzieren.
Während die Strategien einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung sich vorwiegend an eine Nutzergruppe - nämlich die Forstwirtschaft - richten, bezieht der Ökosystemare Ansatz ausdrücklich alle außerforstwirtschaftlichen Landnutzungen und Wirtschaftssektoren, die maßgebliche Einflüsse auf die biologische Vielfalt von Wäldern ausüben, mit ein. Hierzu zählen beispielsweise die Landwirtschaft, die Jagd, der Naturschutz, der Tourismus, die Raumplanung sowie Industrie und Gewerbe.
Waldbauliche Maßnahmen im Rahmen der Forstwirtschaft sind nur ein - wenngleich bedeutender - Einflussfaktor. Die Zerschneidung von Wald-Lebensräumen, die Veränderung der natürlichen Stoffkreisläufe, der Wandel der Bodennutzungsformen oder Maßnahmen des Naturschutzes sind Beispiele für weitere Wirkungskomplexe, die untersucht werden müssen.
In der vorliegenden Grundlagenstudie werden daher die Verursacher und Wirkungen all dieser menschlich bedingten Einflüsse auf die biologische Vielfalt von Waldökosystemen in ihrer wechselseitigen Vernetztheit analysiert. Die ökonomischen, sozio-kulturellen und rechtlichen Rahmenbedingungen, unter denen diese menschlichen Aktivitäten stattfinden und von denen sie zum Teil gesteuert werden, sind dabei ebenso einzubeziehen wie der aktuelle Stand des Ökosystemwissens.
Auf diesen Untersuchungsschritten basierend werden abschließend Schlussfolgerungen formuliert und Handlungsbedarf abgeleitet. Diese sind an die Forstwirtschaft ebenso gerichtet wie an die Akteure aller anderen relevanten Nutzungssektoren sowie innerhalb von Wissenschaft, Politik, Gesetzgebung, Verwaltung und Bildungswesen, aber auch an die Gesellschaft als Gesamtes.