Die Bedeutung des Ökosystemaren Ansatzes für Österreichs Wälder

Warum ist der Ökosystemare Ansatz für österreichische Waldökosysteme von hoher Bedeutung?

Die besondere Relevanz des Ökosystemaren Ansatzes für österreichische Waldökosysteme ergibt sich dabei u. a. aus folgenden Tatsachen:

  • Wälder sind komplexe und einzigartige Ökosysteme, die vielfach mit einer besonders reichhaltigen und aufeinander abgestimmten biologischen Vielfalt ausgestattet sind. Viele Tier- und Pflanzenarten, darunter zahlreiche seltene und gefährdete Arten, sind in ihrem Auftreten ausschließlich an Waldökosysteme gebunden.

  • Wald ist in Österreich mit einem Flächenanteil von über 46 % die dominierende Landbedeckungsform und beherbergt einen bedeutenden Teil unserer biologischen Vielfalt. Zudem verfügt Österreich aufgrund der naturräumlichen Voraussetzungen, der vielfältigen Nutzungstraditionen und einer hochdiversen Eigentumsstruktur über eine außerordentlich hohe Vielfalt an Waldtypen und -formen auf vergleichsweise engem Raum.

  • In der anthropogen stark überprägten europäischen Kulturlandschaft stellen gerade die österreichischen Wälder noch überwiegend naturnahe Ökosysteme dar. In einer bundesweiten Untersuchung der Naturnähe der heimischen Waldbestände wurden diese zu 2,9 % als natürlich, zu 18,5 % als naturnah und zu 41 % als mäßig verändert eingestuft (GRABHERR et al., 1998). Diese auf großen Teilen der österreichischen Waldfläche noch vorhandene, relativ standortsangepasste Ausstattung an biologischer Vielfalt gilt es zu erhalten, insbesondere vor dem Hintergrund des globalen Rückgangs naturnaher Wälder.

  • Die Forst- und Holzwirtschaft ist einer der bedeutendsten österreichischen Wirtschaftszweige und erwirtschaftet regelmäßig hohe Exportüberschüsse. Aufgrund vielfacher ökonomischer Sachzwänge besteht jedoch gleichzeitig die Gefahr, dass langfristige ökologische Erfordernisse gegenüber dem kurzfristigen betriebswirtschaftlichen Erfolg geringer gewichtet werden. Die Frage nach biodiversitätsverträglichen Bewirtschaftungsformen gewinnt dadurch zusätzliche Aktualität.

  • Neben der nachhaltigen Produktion des Rohstoffes Holz erwartet die Gesellschaft vom Wald die dauerhafte und gleichmäßige Erfüllung vielfältiger weiterer Funktionen und Leistungen, von denen der Schutz vor Naturgefahren, die Regulation von Wasserhaushalt und Klima, die Bereitstellung von Trinkwasserressourcen und Erholungsraum sowie der Ausgleich von Umweltbelastungen nur einige sind. Über die Umwelt- und Sozialfunktionen beeinflusst der Wald damit auch entscheidend unsere Lebensqualität. Die Leistungs- und Nutzungsfähigkeit der Waldökosysteme hängt aber von ihrer ökologischen Stabilität und Funktionstüchtigkeit ab. Eine standortangepasste biologische Vielfalt scheint dafür eine grundlegende Voraussetzung zu sein. Sie trägt damit maßgeblich zur Optimierung des Gesamtnutzens des Waldes bei.

  • Eine im Sinne des natur- und kulturräumlichen ökologischen Standortpotenzials optimierte biologische Vielfalt ist damit auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht ein wesentlicher Faktor für die forstwirtschaftliche Ertragsfähigkeit und Produktivität von Wäldern. Ökologische stabile und leistungsfähige Waldökosysteme sind profitabler und nutzbringender als labile, störungsanfällige und eingriffsintensive Wälder. Artenreiche und naturnahe Wälder verfügen in der Regel über eine erhöhte Widerstandskraft gegenüber Schädlingsbefall und anderen forstpathogenen Einflüssen, geringere Anfälligkeit gegenüber Extremereignissen - wie Sturmkatastrophen und abnorme Witterungsperioden - und über ein höheres Anpassungspotenzial gegenüber Klimaänderungen.

  • Die gesellschaftlichen Nutzungsansprüche und Interessen an den multifunktionalen Wirkungen des Waldes nehmen ständig zu. Trendsportarten wie Mountainbiking, Reiten oder Wandern, der Schutz von Siedlungs- und Infrastruktureinrichtungen oder das Dargebot von Trinkwasserressourcen sind dafür nur einige Beispiele. Gerade im waldreichen Land Österreich steigt daher das öffentliche Interesse am Wald und seiner biologischen Vielfalt zunehmend. Es wird notwendig sein, diese außerforstlichen Interessen und die dahinter stehenden Akteure zunehmend in das Waldmanagement einzubeziehen.

  • Es existiert zunehmendes Wissen über nachhaltige Waldbewirtschaftung. Ebenso gibt es zahlreiche nationale und internationale Prozesse und Initiativen, die auf den Schutz und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt in Waldökosystemen abzielen. Es besteht der Bedarf, diese oft punktuellen Bestrebungen im Sinne der Ziele des "Übereinkommens über die biologische Vielfalt" zu evaluieren, wirkungsvoll zusammenzuführen und umzusetzen. Der Ökosystemare Ansatz bietet hierzu einen geeigneten Rahmen.

  • Neben der Forstwirtschaft wirken an Zahl und Intensität ständig zunehmende Einflüsse anderer Nutzungssektoren auf die biologische Vielfalt von Wäldern ein. Mit den zunehmenden Nutzungsansprüchen steigt aber auch deren Belastung und Gefährdung. Ein Erfolg versprechendes Biodiversitäts-Management muss all diese Einflüsse sowie deren Wechselwirkungen einbeziehen.

Letzte Änderung: 13.02.2008