Im Zentrum der sozio-kulturellen oder ethisch-sozialen Nachhaltigkeit steht die dauerhafte Befriedigung der materiellen und immateriellen Lebensbedürfnisse aller Menschen, insbesondere die Deckung der elementaren Daseinsgrundbedürfnisse der ärmsten Bevölkerungsgruppen, wie Nahrung, Kleidung, Bildung und das Recht auf Arbeit.
Das Leitbild bildet soziale Gerechtigkeit hinsichtlich der Verteilung von Wohlstand, des Zugangs zu Ressourcen und der Nutzungsrechte an Ressourcen, da nur bei annähernder sozialer Gleichheit der Lebensbedingungen die dauerhafte Stabilität des Gesellschaftssystems gewährleistet ist. Damit ist auf globaler Ebene auch der so genannte Nord-Süd-Konflikt, d. h. das Wohlstandsgefälle und der ungleiche Ressourcenverbrauch von Industriestaaten und Entwicklungsländern, angesprochen.
Neben moralischen Motiven sind dabei das amutsbedingte Bevölkerungswachstum und die damit zusammenhängende Armutsbedingte Umweltzerstörung infolge Übervölkerung und Übernutzung in vielen Teilen der Welt ein Ausgangspunkt der Überlegungen.
Neben minimalen Lebensstandards für alle sollten aber auch überhöhte Konsum- und Wohlstandsniveaus in den westlichen Industrieländern überdacht und deren Ressourcenverbrauch abgesenkt werden.
Soziale Gerechtigkeit innerhalb und zwischen den Generationen bildet ein Leitziel der sozialen Nachhaltigkeit (siehe z. B. BRUNDTLAND-BERICHT 1987, B.U.N.D./MISEREOR 1997).
Einbindung der lokalen Öffentlichkeit
Entscheidungen über das Management von Ökosystemen sollten möglichst dezentral und jeweils auf der untersten dafür geeigneten Ebene getroffen werden. Die lokale Bevölkerung sollte das Recht besitzen, über die Nutzung ihrer Ressourcen selbst zu entscheiden.
Dies sollte nicht nur aus demokratiepolitischen Gründen geschehen, sondern auch um das traditionelle lokale Wissen über Standortsangepasste Nutzungstechniken bestmöglich nutzen zu können. Unmittelbar Betroffene vor Ort verfügen in der Regel über das beste Expertenwissen ("örtlicher Sachverstand").
Je näher sich Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten im Zusammenhang mit der Nutzung natürlicher Ressourcen am jeweiligen Ökosystem befinden, desto besser kann Nachhaltigkeit gewährleistet werden.
Die Einbeziehung lokaler und öffentlicher Interessen in Entscheidungsprozesse kann Motivationsfördernd wirken, Identifikation mit Zielsetzungen steigern, Akzeptanz von Maßnahmen erhöhen und fördert ein zielkonformes Verhalten und damit den Erfolg von Nachhaltigkeitsstrategien.
Die Einbindung der Öffentlichkeit in Entscheidungen über die Nutzung natürlicher Ressourcen wird gerade in einem offenen, demokratischen und pluralistischen Gemeinwesen, dessen Ansprüche an die Natur zusehends vielfältiger und breiter werden, immer wichtiger. Dadurch können Nutzungs- und Interessenkonflikte frühzeitig offen gelegt und rechtzeitig ein Konsens gefunden werden (Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft 2002).