Die jagdlichen Nutzungsinteressen der Bevölkerung sollten von der Jagd berücksichtigt werden, indem ein Interessenausgleich mit den nicht Jagdausübungsberechtigten örtlichen Jägern stattfindet und auch nicht ortsansässige Jäger angemessen eingebunden werden.
Darüber hinaus sollte aber auch eine Einbeziehung von Jagdinteressierten und der lokalen Öffentlichkeit insgesamt erfolgen, v. a. von anderen Landnutzergruppen und Grundeigentümern.
Akzeptanz der Jagd in der Bevölkerung
Dieser Regionalbezug ist für die soziale Akzeptanz und die Verankerung der Jagd in der öffentlichen Meinung von zentraler Bedeutung. Dies gilt insbesondere in der gegenwärtigen Zeit, in welcher das Verständnis vieler Bevölkerungsgruppen gegenüber der Jagdausübung im Sinken begriffen ist und die gesellschaftlichen Erwartungshaltungen gegenüber dem Umgangs mit Wildtieren zusehends breit gefächerter und stärker artikuliert werden (z. B. Tierschutzinteressen).
Diesbezüglich werden in der Zukunft mehr Offenheit und Transparenz seitens der Jägerschaft, auch im Sinne von Aufklärung über das eigene Tun und einer effizienten Öffentlichkeitsarbeit, erforderlich sein. Letztlich bildet erhöhte Kommunikationsbereitschaft auch eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Konfliktregelung zwischen abweichenden Landnutzungsinteressen.
Ein aktiveres Einbringen jagdwirtschaftlicher Positionen in die öffentliche Diskussion wird im Hinblick auf den Interessenausgleich und eine harmonischere Abstimmung mit konkurrierenden Landnutzungen, welche die Jagd direkt oder indirekt beeinflussen, unabdingbar sein. Insbesondere Lebensraumverbessernde Maßnahmen erfordern Aufklärung und Überzeugungsarbeit bei Grundeigentümern.
So kann z. B. die Berücksichtigung von Balzplätzen des Auerhuhns beim Forststraßenbau oder bei der Hiebsführung nur durch aktive Information seitens der Jäger erreicht werden.
Zielsetzungen und Initiativen für eine nachhaltige Jagdausübung sollten - im Sinne des "bottom-up"-Prinzips - von der betroffenen Jägerschaft selbst ausgehen und von dieser getragen werden. Dadurch kann zum Einen vermieden werden, dass Maßnahmen "von oben" oktroyiert werden, zum Anderen erhöht dies die Glaubwürdigkeit der Jagd nach außen hin.
Weidgerechtigkeit und Jagdkultur
Die Verantwortung des Jägers für die ihm anvertrauten Wildtiere erfordert auch die Auseinandersetzung mit neuen wildbiologischen Erkenntnissen und Bewusstseinsbildung innerhalb des Jägerstandes betreffend die nachhaltige Nutzung der Ressource Wild, einschließlich der Aufklärung des Jägernachwuchses.
Sozio-kulturell nachhaltige Jagd bezieht sich auch auf die Beachtung von Grundsätzen der jagdlichen Ethik bzw. der Weidgerechtigkeit.
Dies können juristisch gültige Normen sein, wie sie in den Jagd- und Tierschutzgesetzen festgeschrieben sind, aber auch ein ungeschriebener jagdlicher Verhaltenskodex gegenüber Tier, Mensch und Umwelt. Die Achtung vor der Kreatur, das Vermeiden unnötiger Qualen für das Tier und handwerkliche Kompetenz, die beispielsweise durch regelmäßiges Trainieren der Schießfertigkeit eingeübt werden sollte, zählen zu grundlegenden Forderungen der Weidgerechtigkeit.
Bei der Art der Bejagung sollte auf Lebensweise und –rhythmus der Wildtiere Rücksicht genommen werden.
Im ländlichen Leben ist die Jagdwirtschaft nicht nur ein Arbeitsplatzfaktor, sondern traditionelles jagdliches Kulturerbe spielt vielfach auch noch eine bedeutende Rolle für die regionale kulturelle Identität. Man denke nur an die zahlreichen "Hubertus-Kapellen" und das vielfältige lebendige Brauchtum.
Im ländlichen Raum ist auch die emotionale Verankerung der Jagd noch wesentlich größer als in den städtischen Ballungsräumen. Die Pflege von Traditionen ist einerseits von Bedeutung für die Behauptung der Identität der Jagd, andererseits bedingt der stetige Wandel kulturell bestimmter Verhaltensregeln und moralischer Vorstellungen, dass auch die Jagd Bereitschaft zum Hinterfragen von traditionellen Verhaltensweisen und Wertvorstellungen aufbringen muss.
So sind beispielsweise Art und Ausmaß der Winterfütterung und die Gatter-Jagd auch innerhalb der Jägerschaft umstritten.
Trophäenkult, der bevorzugte Abschuss ästhetisch attraktiver Arten und Exemplare, Jagdreisen ins Ausland unter zweifelhaften Bedingungen oder die generelle Bekämpfung von Raubwild und sogar Raubvögeln, wo sie fachlich nicht einwandfrei begründet sind, sind weitere Beispiele für heute fragwürdig gewordene Formen der Jagdausübung (vgl. ZEILER 1996).