Biodiversitätsindikatoren

Was sind Indikatoren?

Als Indikatoren bezeichnet man Messgrößen, die relativ einfach zu untersuchen sind und die als Anzeiger für einen schwieriger zu erfassenden Sachverhalt genutzt werden können, wie z.B. der Zustand eines Ökosystems.

Der Begriff Indikator leitet sich vom lateinischen indicare ab, das mit anzeigen oder verraten übersetzt werden kann. So können beispielsweise bestimmte Pflanzenarten den ökologischen Zustand des Bodens  anzeigen (kalkreich, nass etc.) oder das Vorkommen bestimmter wirbelloser Arten verrät uns etwas über die Wasserqualität eines Baches.

Was sind Biodiversitätsindikatoren?

Biodiversitätsindikatoren müssen einen statistisch signifikanten Zusammenhang mit der Gesamtbiodiversität bzw. einer bestimmten, definierten Teilmenge der Gesamtbiodiversität aufweisen. Sie geben daher Auskunft über den Zustand oder über die Zustandsveränderungen von Elementen der biologischen Vielfalt.

Biodiversitätsindikatoren können Teile der Gesamtbiodiversität abbilden. So kann z. B. die Vielfalt der Brutvögel in der Agrarlandschaft auch die Vielfalt anderer Tier- und Pflanzengruppen anzeigen. Biodiversitätsindikatoren können aber auch nicht-organismische Faktoren sein, wie beispielsweise die Strukturvielfalt einer Landschaft, die Viehdichte, die Größe landwirtschaftlicher Bewirtschaftungseinheiten, der Totholzanteil im Wald, die Verjüngung des Waldes oder die Intensität der menschlichen Landnutzung.

Wozu dienen Biodiversitätsindikatoren?

Biodiversitätsindikatoren dienen der Vereinfachung komplexer Phänomene der biologischen Vielfalt, um diese quantifizieren und verständlich kommunizieren zu können. Sie sind eine wichtige Grundlage für Biodiversitäts-Monitoringprogramme und ermöglichen eine vergleichende Berichterstattung über den Zustand der biologischen Vielfalt. Weiters spielen sie eine wichtige Rolle bei der Planung und Evaluierung politischer Strategien zum Schutz oder der nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt.

Biodiversitätsindikatoren müssen bestimmte Qualitätskriterien aufweisen:

  • hohe und bundesweite Aussagekraft über die biologische Vielfalt
  • hoher Vernetzungsgrad mit anderen Indikatoren im Monitoringsystem
  • rasche und regelmäßige Erhebbarkeit mit standardisierten Methoden
  • hohe Kommunizierbarkeit, Nachvollziehbarkeit und Verständlichkeit
  • lassen erforderliche Maßnahmen klar ableiten
  • hohe gesellschaftliche Bedeutung/Wert
  • hohe Präsenz im nationalen Gebiet

um ein kosteneffizientes Monitoring und international harmonisierte Aussagen zu ermöglichen, sollen Biodiversitätsindikatoren weiters:

  • mit bestehenden Erhebungen und Daten kompatibel sein bzw.
    bereits vorhandene Daten mitberücksichtigen
  • eine genaue Abschätzung der Erhebungskosten ermöglichen
  • mit internationalen Vorgaben abgestimmt sein

Relevante Entwicklungen von Biodiversitätsindikatoren

Seit mehreren Jahren laufen Initiativen zur Entwicklung von Biodiversitätsindikatoren in großem Umfang auf unterschiedlichen Ebenen (international, pan-europäisch, EU-weit, national). Um Parallelentwicklungen zu vermeiden, Synergien optimal zu nutzen und Entwicklungslücken aufzudecken, wurde im Rahmen der sechsten Vertragsstaatenkonferenz zum Übereinkommen über die biologische Vielfalt (7.-19. April 2002, Den Haag, Niederlande) eine Zusammenschau aller relevanten Entwicklungsinitiativen und Ergebnisse erarbeitet (siehe dazu:  Ben Delbaere et al., 2002, Biodiversityindicators and Monitoring: Moving towards Implementation)

Im Rahmen der siebten Vertragsstaatenkonferenz zum Übereinkommen über die biologische Vielfalt 2004 in Kuala Lumpur haben die Vertragsstaaten einen Beschluss zur Entwicklung und Umsetzung von Biodiversitätsindikatoren verabschiedet: Decision VII/8.

Im Auftrag der Europäischen Umweltagentur entstanden (als Grundlage für eine geplante regelmäßige Berichterstattung über die Entwicklung der Umwelt) Berichte, die einen umfassenden Überblick zu folgenden Themen geben:

Letzte Änderung: 01.12.2009