Das Institut für Biodiversität der Universität Ontario (Kanada) leitet das internationale Programm Bold (Barcode Of Life Datasystems). Im Rahmen dieses Programms werden die genetischen Vergleichsdaten aller möglichen Tier- und Pflanzenarten angelegt, gespeichert und zugänglich gemacht.
Die Kooperationspartner senden systematisch Gewebsteile aller möglichen Spezies nach Kanada. Diese werden vor Ort ausgewertet und archivert. Für die Archivierung wird ein rund 650 Basen langer Genabschnitt der mitochondrialen DNA sequenziert. Dieser Abschnitt eignet sich sehr gut für die Unterscheidung der meisten Organismen auf Artniveau. Die Abfolge der Basen Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin ergibt den für die jeweilige Art typischen genetischen Fingerabdruck oder Barcode.
Abgesehen von wissenschaftlichen Problemlösungen bei der Bestimmung der Artenvielfalt, gibt es eine viele direkt umsetzbare praktische Anwendungen dieser zentralen Datenbank der Arten. So muss beispielsweise ein Insekt, von dem vermutet wird, dass es ein gefährlicher Schädling ist, nicht erst von der Raupe bis zur Fliege nachgezüchtet werden, um die Art und damit das zu erwartende Schadensausmaß bzw. die erforderlichen Gegenmaßnahmen bestimmen zu können.
Bisher wurden rund 900.000 Proben untersucht, hauptsächlich Einsendungen vom amerikanischen Kontinent. Die naturwissenschaftliche Abteilung der Tiroler Landesmuseen steuert die genetischen Daten von Alpenschmetterlingen bei: In den Alpen kommen etwa 6.000 Schmetterlingsarten vor und im Archiv sind rund 750.000 Individuen aufbewahrt. Die internationale Gendatenbank erleichtert auch die Zusammenarbeit von Forschern.
Quelle: Florian Pranger/DER STANDARD, Printausgabe, 29.12.2010