Das „Millennium Ecosystem Assessment" wurde im Jahr 2000 vom damaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan gefordert und im Jahr 2001 gestartet.
Es hat zum Ziel, die Auswirkungen von Ökosystem-Veränderungen auf die Menschheit abzuschätzen und Maßnahmen auf wissenschaftlicher Basis zu erarbeiten. Diese Maßnahmen sollen den Schutz und die Nachhaltigkeit der Nutzung dieser Ökosysteme und ihrer Leistungen für das Wohl der Menschheit unterstützen.
Mehr als 1360 Experten aus der ganzen Welt waren in das Millennium Ecosystem Assessment eingebunden. Ihre Erkenntnisse wurden in vier Themenberichten zusammengefasst:
Zustand und Entwicklungen der Ökosysteme
Zukunfts-Szenarien
Reaktionsmöglichkeiten
Bewertungen auf sub-globaler Ebene
Folgende Hauptaussagen können aus dem Millennium Ecosystem Assessment abgeleitet werden:
Alle Menschen der Erde sind von der Natur und den Ökosystem-Leistungen abhängig. Diese sind eine Voraussetzung für ein angemessenes, gesundes und sicheres Leben.
Die Menschheit verursachte in den letzten Jahrzehnten zur Deckung des wachsenden Bedarfs an Nahrungsmitteln, Süßwasser, Textilfasern und Energie noch nie dagewesene Veränderungen in Ökosystemen.
Diese Veränderungen halfen wohl das Leben von Milliarden Menschen zu verbessern, aber zur gleichen Zeit schwächten sie die Fähigkeit der Natur andere Schlüssel-Leistungen zu erbringen, wie die Reinigung der Luft und des Wassers, die Vermeidung von Katastrophen und die Bereitstellung von Medikamenten.
Unter den herausragendsten Problemen befinden sich der schlechte Zustand vieler Fischbestände, die immense Gefährdung der in Trockenregionen (41 % der Landfläche) lebenden Menschen (ein Drittel der Weltbevölkerung, mit dem höchsten Bevölkerungswachstum) durch den Ausfall von Ökosystem-Leistungen (v. a. Wasserversorgung) und die drohende Gefahr für Ökosysteme durch Klimawandel und Nährstoffanreicherung.
Die menschlichen Aktivitäten haben ein massives Artensterben mit sich gebracht, das in weiterer Folge unser eigenes Wohlergehen gefährdet.
Der Verlust an Ökosystem-Leistungen ist eine bedeutsame Barriere bei der Erreichung der „UN-Millenniumsziele", die der Verringerung von Armut, Hunger und Krankheit dienen.
Der Druck auf Ökosysteme wird in den kommenden Jahrzehnten weiter steigen, wenn sich die innere Haltung der Menschen und deren Handlungen nicht ändern.
Maßnahmen zur Bewahrung natürlicher Ressourcen werden eher dann zum Erfolg führen, wenn die Ressourcen in den Besitz lokaler Gemeinschaften übergehen, letztere am Gewinn beteiligt sind und in Entscheidungen eingebunden werden.
Bereits heute verfügbare Technologien und Kenntnisse können einen beträchtlichen Beitrag zur Verringerung der menschlichen Beeinträchtigung von Ökosystemen leisten. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass sie zur Gänze Anwendung finden, solange nicht damit aufgehört wird, die Ökosystem-Leistungen als kostenlos und unbegrenzt anzusehen und solange nicht ihr ganzer Wert erkannt worden ist.
Ein besserer Schutz des „natürlichen" Kapitals wird aufeinander abgestimmte Bemühungen aller Regierungen, des Handels und internationaler Institutionen erfordern. Die Produktivität von Ökosystemen beruht auf den politischen Entscheidungen z. B. in den Bereichen Investitionsmaßnahmen, Handel, Subventionen, Versteuerung und Rechtsvorschriften.