Der Einfluss der Landwirtschaft auf Gene, Arten und Ökosysteme

Die gesamte landwirtschaftlich genutzte Fläche Österreichs nimmt 45% der Bundesfläche in Anspruch (Nationaler Bericht Österreichs über die Biologische Vielfalt, 1997). Daher hat die Landwirtschaft große Bedeutung bei der Gestaltung der Landschaft und der Nutzung der biologischen Vielfalt. Die Landwirtschaft ist zugleich fördernder als auch belastender Faktor für die biologische Vielfalt.

Die Landwirtschaft als fördernder Faktor für die biologische Vielfalt:

  • Aufzucht und Haltung seltener Tierrassen landwirtschaftlicher Nutztiere (z.B. Original Pinzgauer Rind, Mangalitzaschwein, Kärntner Brillenschaf, Pinzgauer Ziege, Noriker)

  • Zucht und Selektion der beiden Rassen der Europäischen Honigbiene (Apis mellifera carnica und mellifera)

  • Anbau seltener landwirtschaftlicher und gärtnerischer Kulturpflanzen

  • Anbau und Nutzung heimischer Obst- und Weinrebensorten

  • Erhaltung genetischer Ressourcen in den Bereichen Kulturpflanzen (Landsorten), Obst/Wein, Sonderkulturen, Grünland und Nutztierrassen

  • Erhaltung von Grünlandbiotoptypen und anderer von landwirtschaftlicher Nutzung abhängiger Lebensräume

 

Die Landwirtschaft als belastender Faktor für die biologische Vielfalt:

  • Intensivierung der landwirtschaftlichen Flächennutzung (führt z.B. zum Rückgang sogenannter Halbkulturformationen, wie Trockenrasen, Magerwiesen und Feuchtwiesen)

  • Standortsveränderungen (z.B. durch technische Mittel zur Bewirtschaftung)

  • Verlust von Sonderstandorten (führt zu einer Verringerung der Lebensraumvielfalt)

  • Nutzungsänderung von landwirtschaftlichen Flächen (z.B. Umwandlung von Grünland in Ackerland, Änderungen in der Fruchtfolge)

  • Einsatz von Agrochemikalien in der konventionellen Landwirtschaft (so führt z.B. der Einsatz von Herbiziden zu einer geringeren Artenzahl in der Ackerbegleitflora und in weiterer Folge der auf diesen Pflanzen lebenden Tiere)

  • Stoffeinträge: Stickstoffanreicherung infolge des Eintrags von Stickstoff durch Dünger und aus der Luft

  • Zerschneidung und Fragmentierung der Lebensräume von wildlebenden Arten durch großflächig unbesiedelbare Agrarflächen

  • Negative Effekte des Klimawandels werden zusätzlich verstärkt durch die Fragmentierung der Lebensräume, wenn Migrationen zur Anpassung an die Veränderung schlecht möglich sind.

  • Flächenverlust durch Nutzungsänderungen von agrarischen Lebensräumen. Zu befürchten sind zunehmende Belastungen auch durch Biomasseproduktion zur Energieverwertung. Die daraus entstehende Konkurrenz um Flächen und um Fördergelder kann den allgemeinen Nutzungsdruck, der auf der Landschaft liegt, verschärfen und noch verbliebene Rückzugsflächen gefährden.

Neben dem direkten Einfluss der Landwirtschaft auf die biologische Vielfalt  gibt es zahlreiche indirekte Einflussfaktoren. Dazu zählen die Pflege der Kulturlandschaft und die Auswirkungen auf nicht genutzte Arten des Agrarökosystems (Bodenorganismen, Ackerbegleitflora, Wildtiere).

Letzte Änderung: 09.02.2009