Kulturlandschaften - Lebensräume aus Menschenhand

Als "Kulturlandschaft" werden durch menschliches Wirken beeinflusste Landschaften bezeichnet, die im Gegensatz zur unberührten Naturlandschaft in weiten Teilen Mitteleuropas vorherrschen. Diese Gestaltung von Teilen der Natur durch den Menschen, nach seinen eigenen Bedürfnissen, ist ein seit Jahrhunderten andauernder Prozess.

Somit sind die Kulturlandschaften das Ergebnis einer fortwährenden Auseinandersetzung des Menschen mit der Natur, die dadurch immer wieder neu gestaltet wird.

Im Zuge der Landnutzung stehen die Landschaften im Spannungsfeld unterschiedlichster Ansprüche. Dabei sollte jedoch stets beachtet werden, dass einerseits der zur Verfügung stehende Raum begrenzt und somit erschöpflich ist und andererseits die vom Menschen unberührte natürliche Landschaft sowie die durch nachhaltige traditionelle Wirtschaftsweisen und Nutzungsformen geprägte Kulturlandschaft genügend Raum benötigt, um in ihrer ganzen Vielfalt ungefährdet auch weiterhin bestehen zu können.

Die Interessen der heutigen Gesellschaft an der Landnutzung sind sehr vielfältig und haben bedeutenden Einfluss auf die Arten- und Lebensraumvielfalt der Kulturlandschaft. Durch intensive Land- und Forstwirtschaft, durch Siedlungstätigkeit und Verkehrsflächen sowie durch Freizeitnutzung hat sich die Biotopausstattung der Kulturlandschaften in den letzten Jahrzehnten massiv verändert. Entsprechend des Nutzungsschwerpunkts der heimischen Kulturlandschaften lassen sich agrarische Landschaften und urbane Landschaften unterscheiden.

Kulturlandschafts-Vielfalt in Österreich

Zur Erfassung und Beschreibung der Kulturlandschafts-Vielfalt wurden Kulturlandschaftstypen basierend auf den Parametern Morphologie, Vegetation und Landnutzung beschrieben. Diese können gemäß der Art und Intensität der Bewirtschaftung zu Typengruppen und diese wiederum zu "nutzungsorientierten" Typenreihen zusammengefasst werden (Fink et al. 1989). Es werden folgende Typenreihen unterschieden (Wrbka et al. 1997; Wrbka & Fink 1997):

  • Kulturlandschaften der alpinen und subalpinen Stufe

  • Kulturlandschaften mit vorwiegender Grünlandnutzung

  • Walddominierte Kulturlandschaften

  • Kulturlandschaften mit Getreide- und Futterbau

  • Wein- und Obstbaulandschaften

  • Siedlungs- und Industriegebiete

Die Bedeutung der Kulturlandschaften für die Biodiversität

Traditionelle Kulturlandschaften weisen oft eine hohe Arten- und Biotop-Vielfalt auf, wobei eindeutige Zusammenhänge zwischen Nutzungsintensität, Landschaftsstruktur und biologischer Vielfalt bestehen (Wrkba 1991 & 1992).

Durch Intensivierungsmaßnahmen, Nutzungsänderungen oder Landzerschneidungen gehen ökologisch bedeutende Landschaften verloren, sodass entsprechende Naturschutzstrategien für den Erhalt der biologischen Vielfalt unerlässlich sind. Als Grundlage für die Erhebung des Schutzbedarfs von heimischen Kulturlandschaften wurde vom Umweltbundesamt die Studie "Österreichische Kulturlandschaften von nationaler Bedeutung für die Biodiversitätssicherung" (Wrbka et al. 1997) beauftragt.

Weiterführende Literatur

Die österreichische Kulturlandschaftskartierung als Grundlage naturschutzfachlicher Erhebungen und Bewertungen (Wrbka 1996) 

Letzte Änderung: 01.12.2009