Schutzgebiete und Waldbiodiversität

Schutzgebiete dienen zur Erhaltung von Schutzgütern (Ökosysteme, Landschaften, Kulturgüter etc.). 

Ein System von Schutzgebieten ist für die Biodiversitätskonvention ein zentrales Element zur Erhaltung der biologischen Vielfalt. Der Schutz von Ökosystemen und natürlichen Lebensräumen sowie die Bewahrung lebensfähiger Populationen von Arten in ihrer natürlichen Umgebung soll gefördert werden.

Auf österreichischem Gebiet sind eine Vielzahl von Schutzgebieten basierend auf den Naturschutzgesetzen der Bundesländer (z. B. Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete) eingerichtet, sie bedecken fast ein Viertel der gesamten Staatsfläche. Die Schutzinhalte sind unterschiedlich und reichen von einzigartigen Pflanzen- oder Tierarten über seltene Ökosysteme bis zu ästhetisch ansprechenden Landschaften. In vielen dieser Gebiete kommen natürlich auch Wälder vor, seien sie jetzt Schutzziel selbst oder auch nur Teil eines Lebensraums bzw. einer Landschaft. Bis jetzt wusste jedoch niemand wirklich genau, wie hoch der Anteil dieser Wälder an den Schutzgebieten ist und welchen Schutzbestimmungen diese unterworfen sind.

Diesen Fragen ging eine Studie nach, die das Umweltbundesamt im Auftrag des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft durchführte.

Vorgangsweise

In Anlehnung an die Vorgaben der Ministerkonferenz zum Schutz der Wälder in Europa (MCPFE) wurden die Bestimmungen zum Schutz der Waldbiodiversität analysiert und klassifiziert.

Tabelle: Klassifikationsschema der Ministerkonferenz zum Schutz der Wälder in Europa (MCPFE) mit korrespondierenden IUCN-Kategorien [vereinfacht].

MCPFE Klassen

IUCN-Kategorie

1

Schutzziel
'Biodiversität'

1.1

kein aktiver Eingriff

I

1.2

minimale Eingriffe

II

1.3

Erhaltung durch gezielte Eingriffe

IV

2

Schutzziel ‚Landschaft und/oder besondere Naturelemente'

III, V, VI

Gleichzeitig wurde über eine digitale Verschneidung der Waldflächen der Österreichischen Karte 1:50.000 (ÖK 50) und der von den Bundesländern zur Verfügung gestellten Schutzgebietsgrenzen die Waldfläche in den Schutzgebieten ermittelt. Beide Informationen wurden für jedes Bundesland kartographisch dargestellt (Beispiel s. Abb. 1 Link zur Karte).

Ergebnisse dieser Arbeiten sind erstmals genaue Zahlen über Waldflächen, die unter Schutzbestimmungen nach Naturschutzgesetzen stehen, und insbesondere auch die Qualität ihrer Schutzbestimmungen in Hinblick auf die Waldbiodiversität.

Ergebnisse

Etwas mehr als eine Million Hektar Wald in Schutzgebieten Österreichs konnten insgesamt den Klassen 1 und 2 des Klassifizierungssystems der MCPFE zugeordnet werden (s. Tab. 1). Diese Zahl entspricht ca. einem Viertel der Gesamtwaldfläche Österreichs. Nahezu 89 % dieser Fläche entfallen auf die Klasse 2 (Landschaftsschutz), während ca. 11,5 % der klassifizierten Waldfläche der Klasse 1 zugeordnet werden konnte, deren ‚Hauptziel‘ der Schutz der Biodiversität ist (s. Tabelle, Spalte 3).

Tabelle: Größe und Anteile der aufgrund naturschutzrechtlicher Grundlagen geschützten Waldflächen nach MCPFE-Klassen.

Klasse nach MCPFE

Waldfläche (ha)

Anteil (%) am
MCPFE-Wald Gesamt-Wald

1.1

kein aktiver Eingriff

0,0

0,0 %

0,0 %

1.2

minimale Eingriffe

28.137,7

2,8 %

0,7 %

1.3

gezielte Eingriffe

88.538,2

8,7 %

2,3 %

2

Landschaftsschutz

902.469,7

88,6 %

23,2 %

SUMME

1.019.145,6

100,0 %

26,2 %

 

Stellt man die Flächen in den einzelnen Klassen in Relation zur österreichischen Gesamtwaldfläche, zeigt sich folgendes Bild (s. Tab., Spalte 3): 0,7 % der Waldflächen wurden der Kat. 1.2 zugeordnet. Zusammen mit den 2,3 % der Kat. 1.3 sind damit 3,0 % der österreichischen Waldflächen von Bestimmungen (naturschutzrechtlich sowie privatrechtlich) betroffen, die dem Schutzziel ‚Biodiversität' der MCPFE-Klasse 1 entsprechen. Für die übrigen 23,2 % der österreichischen Waldfläche, die nach den Kriterien von MCPFE erfasst werden konnten, bestehen keine Schutzbestimmungen bezüglich der Waldbiodiversität, sondern für den Landschaftsschutz. Mit ihnen sind keine Einschränkungen der forstlichen Nutzung verbunden.

Schlussfolgerungen

  • Die Flächenanteile der Klassen 1.2 (nur minimale Eingriffe erlaubt) und 1.3 (lediglich gezielte Eingriffe zum Schutz der Biodiversität) an der gesamten Waldfläche sind gering (3 %). Zum effektiven Schutz der Waldbiodiversität sollten daher Bemühungen unternommen werden, diese zu erhöhen. Dazu könnten in einem ersten Schritt mit allen Betroffenen verbindliche Ziele für weiteren (Wald-)Flächenschutz festgelegt werden.

  • Zur Umsetzung dieser Ziele könnte auch die Erarbeitung von Kriterien sein, die einen umfassenden, flächigen Schutz der Biodiversität in Waldökosystemen gewährleisten. Diese Kriterien sollten sich in jenem Rahmen bewegen, der auch eine Zuordnung zur MCPFE Klasse 1.3 erlauben würde.

  • Da die Zuständigkeit für Gesetzgebung und Vollziehung für Naturschutz und Forstwesen in Österreich unterschiedlich geregelt ist, sind insbesondere die Verantwortlichen (Länder bzw. Bund) gefordert, gemeinsame Aktivitäten zu ergreifen bzw. diese ausreichend zu koordinieren.

  • Auf dem Gebiet der Forstpolitik könnten beispielsweise langfristig überprüfbare Maßnahmen, die positive Auswirkungen auf die Biodiversität in klar definierten Waldgebieten haben, vermehrt Eingang in das forstliche Förderungssystem finden.

  • Der Vergleich der Ergebnisse der Schutzgebietsklassifizierungen unter den Bundesländern zeigt eine große Heterogenität der österreichischen Schutzgebietspolitik. Im Sinne des Waldbiodiversitätsschutzes ist es erstrebenswert, möglichst hohe qualitative und auch quantitative Standards der Naturschutzpolitik auf diesem Sektor zu erreichen.

Literatur
 Wald in Schutzgebieten. Kategorisierung von Waldflächen in Österreich anhand der Kriterien der Ministerkonferenz zum Schutz der Wälder in Europa (MCPFE). (2004) 

Letzte Änderung: 12.03.2008