Artenspektrum Fische
Der Fischartenreichtum Österreichs ist im Verhältnis zur Kleinheit des Landes als außerordentlich groß zu bezeichnen, was auf die besondere geographische Lage und die variablen geomorphologischen und klimatischen Verhältnisse der einzelnen Landschaftstypen zurückzuführen ist. Diese bedingen eine Vielzahl von Gewässern, die als Lebensraum zur Verfügung stehen.
Der bedeutendste Fluss ist die Donau, die auf eine Länge von rund 350 km Österreich durchquert und das größte Fischartenspektrum aller mitteleuropäischen Flüsse beherbergt.
In Österreich kommen neben Fischarten mit weiter Verbreitung in Europa auch solche mit einem ponto-kaspischen Verbreitungsschwerpunkt vor, sowie Arten, die im Donaugebiet endemisch sind (beschränktes Vorkommen nur in der Donau).
Die heimische Fischfauna umfasst derzeit 77 Spezies (inklusive zwei Neunaugenarten; Renken werden als ein Taxon gezählt); davon gelten 18 Arten als nicht autochthon (ursprünglich nicht heimisch). Die Anzahl der rezenten (derzeit lebenden), autochthonen Neunaugen- und Fischarten beträgt daher 59. Vier Arten (Waxdick, Glattdick, Sternhausen, Hausen: alle aus der Familie der Störe) sind ausgestorben (Spindler 1997; modifiziert).
Gefährdungssituation
So erfreulich es ist, dass noch ein sehr großer Anteil des ursprünglichen Artenspektrums in Österreich nachzuweisen ist, so dramatisch kann der Grad der Gefährdung gesehen werden: die Fische gehören zu den am stärksten gefährdeten Tiergruppen Österreichs, insgesamt sind 44 Arten der autochthonen Fischfauna in den unterschiedlichen Gefährdungskategorien der Roten Liste angeführt (Spindler 1997; modifiziert):
Gefährdungskategorien der Roten Liste | Artenanzahl |
| Vom Aussterben bedroht | 11 |
| Stark gefährdet | 7 |
| Gefährdet | 11 |
| Potentiell gefährdet | 6 |
| Mit Sicherheit gefährdet, aber nicht eindeutig zuordenbar | 7 |
| Status unklar | 2 |
Die Gefährdung der heimischen Fischfauna beruht zum überwiegenden Teil auf der anthropogenen (durch den Menschen hervorgerufenen) Veränderung der entsprechenden Lebensräume.
Haupt-Ursachen für die Fischgefährdung sind (Spindler 1997; modifiziert):
Die Abhängigkeit der Artenvielfalt von der Lebensraumvielfalt am Beispiel der Lebensraumansprüche von Fischen:
Die spezifischen Lebensraumbeziehungen der einzelnen Fischarten äußern sich darin, dass jede Art bestimmte Habitate (Lebensräume) bevorzugt. Diese Lebensraumansprüche der verschiedenen Fischarten und deren Entwicklungsstadien erfordern strukturreiche, dynamische und hydrologisch vernetzte Gewässersysteme, die für alle Arten einer intakten Flussfischzönose - und damit auch für ihre Entwicklungsstadien - geeignete Habitate darstellen (Chovanec 2000). Eine Fischart kann sich daher nur dann etablieren, wenn die Umweltbedingungen ihren Anforderungen im gesamten Lebenszyklus gerecht werden. Die vorgegeben biotischen und abiotischen Rahmenbedingungen prägen somit die Artenassoziation von Gewässern (Spindler 1997).
Die unterschiedlichen Ansprüche, die Fische an ihren Lebensraum stellen, können anhand der Fischfauna der österreichischen Donau aufgezeigt werden. Die Fischarten können in folgende ökologische Gruppen eingeteilt werden (Schiemer & Waidbacher 1992; modifiziert):
Die starke Differenzierung in den Habitatansprüchen sowohl zwischen den Arten als auch in der Ontogenese (Entwicklung) einzelner Arten führte schon früh dazu, Fische zur Beschreibung von aquatischen Ökosystemen heranzuziehen. Beispielhaft seien hier die von Thienemann (1925) beschriebenen Fischregionen angeführt; die Abfolge von Forellen-, Äschen-, Barben-, Brachsen- sowie Flunder- und Kaulbarschregion hat auch heute noch Gültigkeit.
Eine weitere Klassifizierung der österreichischen Flussfischfauna auf Grundlage ihrer Lebensraumansprüche wurde von Zauner und Eberstaller (1999) veröffentlicht.
Fische als Bioindikatoren
Da Fische auf die verschiedenartigsten Umwelteinflüsse sehr sensibel reagieren, werden sie in zunehmendem Maße als Bioindikatoren verwendet. Hervorzuheben ist besonders ihre Fähigkeit Schadstoffe zu akkumulieren bzw. durch ihr Vorhandensein oder Fehlen in einem Gewässer ganz entscheidende Hinweise auf die ökologische Funktionsfähigkeit ganzer Gewässersysteme oder einzelner Abschnitte geben zu können.
Folgende Faktoren zeichnen Fische als Bioindikatoren aus (vgl. dazu Schmutz & Waidbacher 1994; Hofer & Lackner 1995; Chovanec & Spindler T. 1997; siehe dazu auch Chovanec & Koller-Kreimel 1999; Schiemer 2000; Schiemer et al. 2001; Schmutz et al. 2000):
In ihrer Funktion als Bioindikatoren dienen Fische beispielsweise als (Chovanec & Spindler 1997; modifiziert):