Aktuelle Situation und Entwicklungen
Die Holznutzung im österreichischen Wald betrug 1999 14,08 Mio. Erntefestmeter (Efm) ohne Rinde. Der zehnjährige Durchschnitt (10-Ø; 1990-1999) beträgt 13,77 Mio. Efm. Der Wald ist in Österreich zu 80,5 % im Privatbesitz und sehr kleinstrukturiert. Mehr als 213.000 Waldbauern bewirtschaften Betriebe mit weniger als 200 ha Waldfläche und damit fast die Hälfte des österreichischen Waldes. Etwa ein Drittel der Gesamtwaldfläche entfällt auf größere Forstbetriebe. Rund 16 % sind im Besitz der Österreichischen Bundesforste AG (BMLFUW, 2001).
In erster Linie sind die Waldbesitzer die Akteure des Sektors Forstwirtschaft. Vor allem das Forstgesetz, aber auch andere rechtliche Regelungen wie zum Beispiel das Jagd- oder das Naturschutzrecht bilden den rechtlichen Rahmen dazu. Beeinflusst wird die Forstwirtschaft von der Holz-, Platten- und Papierindustrie, aber unter anderem auch von der forstlichen Beratung, Ausbildung und Forschung. Zunehmend gewinnt auch die Meinung von Umwelt-NGO's an Bedeutung.
Der Wald ist in Österreich seit Jahrhunderten ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Er sichert vielen Menschen direkt (Forstwirtschaft) und indirekt (Holzwirtschaft) Einkommen und Lebensunterhalt. Die Forstwirtschaft trägt in Österreich mit rund einer Milliarde Euro zum Brutto-Inlandsprodukt (das sind ca. 0,3 %) bei (1998), dieser Beitrag sinkt seit Jahren stetig. Auch die Zahl der direkt in der Forstwirtschaft und im zugehörigen Verwaltungsbereich beschäftigten Personen (Forstarbeiter, Angestellte und Beamte) fällt kontinuierlich und betrug 1996 etwa 9.000 Personen (BMLF, 1998). Die österreichische Forstwirtschaft ist in den letzten Jahren unter anderem von folgenden wirtschaftlichen Aspekten beeinflusst worden (BMLFUW, 2001):
Wie in allen Wirtschaftsbereichen wirken hohe Lohnkosten negativ auf die Ertragslage, der daraus resultierende Druck zur Rationalisierung mündet oft in maschinenintensive Bewirtschaftungsmaßnahmen. Ein markantes Beispiel für Strukturänderung in der Sägeindustrie und in der Forstwirtschaft erfolgte nach den Stürmen 1990, mit den Namen "Vivian" und "Wiebke".
Die Intensität der forstlichen Bewirtschaftung der Wälder in Österreich war und ist sehr stark von den topographischen Gegebenheiten wie Hangneigung und Abgeschiedenheit geprägt. Aufschließung durch Forststraßen, die Möglichkeit des Einsatzes voll- und teilmechanisierter Forstmaschinen in zunehmend steileren Lagen (Gebirgsharvester) wirken direkt auf das ökologische Gefüge der Wälder und auf ihre Naturnähe (siehe auch Kap. Wald). Wurde ein Waldgebiet forstlich erschlossen, bestimmt dennoch die Art der ergriffenen waldbaulichen Maßnahmen den Grad der menschlichen Beeinflussung und die Intensität der ökologischen Auswirkungen, u. a. auch auf die Biodiversität:
Die Entwicklungschancen der Forst- und Holzwirtschaft und damit die ökonomischen Voraussetzungen der Holzproduktion werden durch globale Entwicklungen wie Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum, Handelsliberalisierung und neue Märkte bestimmt (Schmithüsen, 1997).
Die Ergebnisse einer Studie von Peck & Descargues (1995) zeigen, dass sich mögliche Veränderungen der Rahmenbedingungen im wesentlichen auf drei Aspekte konzentrieren:
Nachhaltige Waldbewirtschaftung
Im Laufe der Geschichte ergab sich in verschiedenen Zusammenhängen die dringende Notwendigkeit, die Nutzung von Wäldern zu planen und zu regulieren, um deren Fortbestand in quantitativer und qualitativer Hinsicht zu sichern. Die Begriffe "Nachhaltigkeit" und "Nachhaltige Entwicklung" im Zusammenhang mit Wäldern blicken möglicherweise aus diesen Gründen ebenfalls auf eine relativ lange Geschichte zurück. Der Begriffsinhalt von "Nachhaltiger Waldbewirtschaftung" veränderte sich jedoch im Laufe der Zeit und umfasst heute ökologische Nachhaltigkeit (mit besonderer Berücksichtigung der biologischen Vielfalt), ökonomische Nachhaltigkeit und sozio-kulturelle Nachhaltigkeit. Diese werden auch als die drei Säulen des Begriffes "Nachhaltige Waldbewirtschaftung" bezeichnet (Rametsteiner, 1999).
In der Umweltpolitik führte das gestiegene Umweltbewusstsein zu zwei wesentlichen Entwicklungen (Rametsteiner, 1999):
Die Gründe dafür, dass ökologische und soziale Aspekte die den Wald, aber auch andere Ökosysteme betreffen immer stärker in den Vordergrund rücken sind vielfältig. So hat zum Beispiel der Verarmungsprozess an Pflanzen- und Tierarten in den letzten drei Jahrzehnten deutlich zugenommen.
Die bei der zweiten Ministerkonferenz zum Schutz der Wälder (MCPFE) in Europa in Helsinki wurde nachhaltige Waldbewirtschaftung wie folgt definiert:
"Die Betreuung und Nutzung von Wäldern und Waldflächen auf eine Weise und in einem Ausmaß, das deren biologische Vielfalt, Produktivität, Verjüngungsfähigkeit und Vitalität erhält sowie deren Potential, jetzt und in der Zukunft die entsprechenden ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Funktionen auf lokaler, nationaler und globaler Ebene zu erfüllen, ohne anderen Ökosystemen Schaden zuzufügen."
In Umsetzung der bei den Ministerkonferenzen zum Schutz der Wälder in Europa beschlossenen Resolutionen wurden unter anderem Kriterien, Indikatoren sowie Richtlinien für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung entwickelt. Außerdem konnte zusammen mit dem europäischen Umweltministerprozess ein Arbeitsprogramm für die Erhaltung der biologischen Vielfalt in Waldökosystemen ausgearbeitet werden (BMLFUW, 2000).
Links
Ministerial Conference on the Protection of Forests in Europe (MCPFE)
Forstwirtschaft in Niederösterreich
Bundesamt und Forschungszentrum für Wald, Institut für Waldinventur
Department für Wald- und Bodenwissenschaften der Universität für Bodenkultur Wien
Kooperationsabkommen Forst - Platte - Papier
Landwirtschaftskammer Österreich
Österreichische Bundesforste AG